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Celle Stadt Zweisamkeits-Zweikampf in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Zweisamkeits-Zweikampf in Celle
14:28 10.03.2017
Die "Zweikampfhasen" Michael und Jennifer Ehnert machen sich gegenseitig nichts mehr vor. Eine Gemeinheit nach der anderen werfen sie sich an den Kopf - und halten letztendlich doch ein Plädoyer für die Ehe. Quelle: Oliver Knoblich
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Die letzte Verschmelzung mit meinem Mann ist sehr lange her“, berichtet Jennifer ihrem Frauenarzt, was nicht verwundert, denn Michael hat sich bei diesem Thema aufs Internet verlagert. Ausgiebig klärt er das Publikum auf über die unterschiedlichsten Sexualpraktiken – von Albanisch bis Griechisch ist alles dabei.

In diesem Bereich herrscht Funkstille, aber zu sagen haben sich die Mittvierziger noch ganz viel – eine Bosheit nach der anderen werfen sie sich an den Kopf. Schonungslos ehrlich sind sie miteinander. Ist die Unterzeichnung der bereits vorbereiteten Scheidungspapiere zwangsläufig? Ist eine solche Ehe noch zu retten? Ja, ist sie, nicht einmal eines Paartherapeuten bedarf es dafür. „War die Zerrissenheit nicht von Anfang an Teil unserer Liebe?“, reflektiert Michael in einem der eindringlichsten Momente des Stückes, das nur an wenigen Stellen wirklich berührt.

Die Geschichte verliert ihren roten Faden, als die Perspektive vom Persönlichen ins Globale wechselt – drei Ehepaare gibt es nur noch weltweit – und mit Anspielungen auf Apple, Google und Nestle gesellschaftspolitische Streiflichter gesetzt werden. Erst in der Schlussszene findet die Aufführung zu sich zurück. Den „Zweikampfhasen“ wird bewusst, dass sie nicht voneinander loskommen, irgendetwas schweißt sie zusammen. Was das ist, bleibt offen, kann wohl auch nicht benannt werden, weil es ein Geheimnis ist, dem ein nicht zu enträtselnder Zauber innewohnt. Und dieser ist das eigentliche Highlight des überaus unterhaltsamen und schauspielerisch hervorragend umgesetzten Stückes.

Von Anke Schlicht