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Celle Stadt Zwischen Erstaunen und Entsetzen: Mark Benecke in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Zwischen Erstaunen und Entsetzen: Mark Benecke in Celle
08:40 22.10.2016
Mark Benecke ist in der Biologie weltweit bekannt. Hier ist er mit einem seiner Lieblingstiere zu sehen – einer Schabe. Quelle: Alex Sorokin
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Es beginnt mit harten Klängen vor dem Auftritt, die Aufmachung ist morbide. Benecke selbst schreibt bereitwillig Autogramme und lässt sich fotografieren, die Schlange ist lang. Dann beginnt der Vortrag. "Was ist überhaupt logisch?", stellt der Kriminalbiologe in den Raum und beantwortet diese Frage mit Fotos von einem Rundgang durch die Celler Vorstadt. Es geht ihm um die Herangehensweise, um feste Denkmuster und die menschliche Beobachtungsgabe.

Dann geht es ans Eingemachte. Fotos von Leichen, teils von Tieren angefressen, teils verwest. Bei der Erläuterung selbst kombiniert Benecke Banales mit Entsetzlichem und sagt: "Politik, Religion, Kultur – das ist bei der Arbeit alles egal." Authentisch referiert er über "Insekten auf Leichen", so auch der Titel des Vortrags, und erklärt äußerst anschaulich seine spurenkundliche Arbeit.

Das Publikum hängt über den gesamten Vortrag an den Lippen des Biologen. Dabei ist dieses sehr unterschiedlich zusammengesetzt: Von Wissenschaftlern über Serien-Fans und Anhänger der Metal-Szene bis zu Rettungssanitätern und Pflegekräften. Bei allen kommt er an. Jeder nimmt etwas mit.

Rettungssanitäter Olaf Rebmann stellt in der Pause gar fest: "Für mich ist das eine Fortbildung. Ich habe in meinem Leben viele Tote gesehen, das schockt mich nicht, ist aber extrem interessant." Tatsächlich ließ sich Rebmann den Vortrag von Benecke abstempeln und als Fortbildungsmaßnahme anerkennen.

Christina Richter ist mit einer Freundin zu Gast. Sie kennen Benecke unter anderem aus dem Fernsehen: "Es ist sehr interessant, gerade weil es echte Fälle sind. Aber man darf wirklich keinen schwachen Magen haben." Damit hat Richter ohne Zweifel recht.

Dennoch kommt es Benecke selbst nicht auf den Sensationsfaktor in der Wirkung der Leichen auf das Publikum an. Jeder im Saal nimmt ihm ab, dass er ein tiefes Interesse für derartige Fälle, für Insekten und andere Lebewesen hegt. "Ich sehe auch in Maden echte Gegenüber. Sie sind programmiert wie Roboter, das Verhalten ist vorhersagbar", bestätigt der Kriminalbiologe diesen Eindruck voller Begeisterung.

Mark Benecke ist speziell. Er ist bis zum Hals tätowiert, pflegt skurril klingende Hobbys, ist nebenbei Politiker. Aber vor allem ist er eines: Ein Experte in einem für die meisten Menschen sehr besonderen Fachbereich. Dies merkte am Donnerstag ein jeder Gast, dies könnte eine einfache Erklärung seines Erfolgs sein. Gunnar Schulte

Von Gunnar Schulte