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Celle Stadt Zwischen Innehalten und pochender Emotion
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Zwischen Innehalten und pochender Emotion
12:21 09.02.2010
Das "Trio Giocondo" mit (von links) Sabine Bleier (Traversflöte), Eberhard Brünger (Cembalo) und Franziska Grehling (Barockoboe) bei seinem Konzert im Festsaal des Sophien-Stiftes. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
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Bei charakteristischen Kompositionen des frühen 18. Jahrhunderts konnten die drei Interpreten ihr ausgesprochenes Stilempfinden ebenso hörbar machen wie ihr inneres Nachempfinden der musikalischen Botschaften der Komponisten.

So gestaltete sich ihr Konzertieren bei den Trio-Sonaten von Pepusch und Quantz in jeder Phrase zur gepflegten Kommunikation, zum gemeinsamen Durchleben von Momenten perfekter Harmonie, in denen sich dennoch jeder von ihnen im Charakter treu bleiben konnte. Grehling stand mit ihrem reinen, singenden und selbst in zarten Passagen magisch intensiven Ton quasi im Herzen des Geschehens. Bieler atmete in großen Bögen mit ihr und war ihr mit ihrem pointierten, facettenreichen Flötenton eine adäquat sensible Dialog-Partnerin. Und immer wieder geriet auch Brüngers lustvoll-energiegeladenes, aus dem Basso continuo herausklingendes Cembalospiel zum kammermusikalisch eingebundenen Melodieträger.

Aber auch mit seinen Solovorträgen fand das Trio den Weg in die Herzen der Zuhörer: Nachdruck und Leichtigkeit, lauffreudige Motorik und versonnenes Innehalten waren Bielers Markenzeichen bei Telemanns D-Dur-Fantasie für Flöte solo. Grehling formte in Händels F-Dur-Oboensonate einen fesselnden Ton zwischen lyrischer Sanftheit und pochender Emotion. Und das Cembalo verwandelte sich bei den "Vier Jahreszeiten" von Francesco Durante zu einem Soloinstrument von ausgeprägter Individualität und überraschenden Ausdrucksmöglichkeiten, Ein Konzert, das mit seiner perfekten Balance zwischen dezenter Virtuosität und barocker Klangwelt für sich einnahm.

Von Rolf-Dieter Diehl