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Celle Stadt Zwischen Torten und fangfrischem Fisch
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Zwischen Torten und fangfrischem Fisch
21:53 18.09.2016
Von den großformatigen Frauenbildern der Münchner Künstlerin Monika Kaiblinger (großes Foto) bis zu deutlich abstrakteren Bildernmacht die Ausstellung in der Celler Galerie Halbach Appetit auf mehr. Quelle: Alex Sorokin (2)
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Etwa in den großformatigen Frauenbildern der Münchner Künstlerin Monika Kaiblinger – die ihre mysteriöse Dunkelhaarige inmitten verführerischer Tortenberge fast provokativ ein Glas Milch offerieren lässt: eine Anspielung auf den Hitchcock-Klassiker „Verdacht“, in dem ein vergiftetes Glas Milch (dramatisch durch spezielle Beleuchtung in Szene gesetzt) eine wichtige Rolle spielt. Oder die blonde Maid vor einem gigantischen „Toast Hawaii“ – umgeben von holländischer Blau-Weiß-Keramik: Käseland?

Über die Norddeutschen Realisten kennengelernt, kommt die bei Halbach neu vertretene Malerin Christine Reinckens aus Kassel. Von ihr gibt’s „Süßes und Saures“ in diesem Schlaraffenland auf Leinwand – vom überdimensionierten Schoko-Schaumkuss bis hin zur Bonbon-Miniatur, vom Hering bis zur Dorade. Stillleben, so fast schon überzogen realistisch und fokussiert, dass man geradewegs hineinbeißen oder den Grill anschmeißen möchte. Dabei liegt der eigentliche Schwerpunkt der Künstlerin in der Portraitmalerei – Werke, auf die man sich in einer künftigen Ausstellung bei Halbach sicher freuen darf.

Gewohnt fröhlich und inspirierend bilden dagegen die so farbenfroh dahingetupften Bilder von Ulrike Hansen ein Pendant. Lebenslustige Feste unter laternenbestückten Bäumen – Sommer, Sonne, Urlaubsstimmung, Gefühle auf Leinwand gebracht und mit einer bewundernswerten Leichtigkeit transportiert. An ein paar Fische hat sie sich im Übrigen auch gewagt – eher lebenslustig karikiert als aus dem Biologiebuch, frohnatürlich im Reigen.

Ganz exakt und klassisch stehen die Stillleben von Ursula Krause-Oehme im Kontrast. Von der über 80-jährigen Malerin gibt es nur noch wenige Bilder auf dem freien Kunstmarkt, da sie inzwischen ihre Sammlung an ein Mainzer Museum übertragen hat. Trauben und Kornähren, in gröberer Weise und doch realistisch umgesetzt, zeigt Frauke Gloyer-Feddersen aus Galmsbüll, ein Mitglied der Norddeutschen Realisten. Damit ist ein Häppchen Weg bereitet, hin zu den deutlich abstrakteren Bildern von Elena Gatti. „Ihre Bilder erzählen von Gefühl und Liebe, sie reanimieren das mediterrane Lebensgefühl, es rauscht das Meer, der Rotwein schmeckt, der gedeckte Tisch lädt ein zum Verweilen …“, schwärmt Ute Halbach-Meinecke in ihrer Ansprache. Und verweist auf ein paar Werke des einziges Mannes im Kreis der ausgestellten Künstler: Till Warwas.

Frei übertragen, angelehnt an Feuerbachs Ausspruch „Der Mensch ist, was er isst“, findet in dieser Ausstellung jeder Geschmack den passenden Leckerbissen, und der macht sicherlich auch Appetit auf mehr.

Von Doris Hennies