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Hustedt Als Lern-Ort wichtiger denn je
Celle Aus der Stadt Hustedt Als Lern-Ort wichtiger denn je
14:56 02.12.2018
Von Michael Ende
Quelle: David Borghoff
Hustedt

„Demokratie ist die schlechteste aller Staatsformen – ausgenommen alle anderen.“ Was einst Sir Winston Churchill wusste, weiß heute längst nicht mehr jeder. Politische Bildung ist ein Luxus, auf den viele sogar bewusst verzichten. Gerade deshalb ist sie unverzichtbar. Ein Leuchtturm der politischen Bildung in Niedersachsen wird jetzt 70: das Bildungszentrum in Hustedt.

Demokratie lernen

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte, dass Demokratie nicht selbstverständlich sei. Einen Ort für gemeinsames Leben und Lernen zu schaffen – das sei auf Betreiben der britischen Befreier nach dem Weltkrieg 1948 der Anlass gewesen, in der noch jungen Demokratie in Hustedt die Gründung einer Heimvolkshochschule anzuschieben: „Den Engländern war klar, dass die Deutschen dringend Nachhilfe in Demokratie und politischer Bildung bedurften. Wer weiß, dass Demokratie immer wieder aufs Neue gelernt werden muss, der weiß auch, dass es Bildung in und für die Demokratie nicht zum Nulltarif gibt.“ Deshalb habe das Land auch den Bau des Zentrums für Europäische Betriebsräte großzügig unterstützt, so der Ministerpräsident.

Tausende Besucher

Heute besuchen jährlich über 5000 Jugendliche und Erwachsene in über 300 Seminaren, Tagungen und Veranstaltungen die Heimvolkshochschule. Bernd Osterloh, Vorsitzender des Gesamt- und Konzernbetriebsrats der Volkswagen AG, sagt, dass er sich in Hustedt 1985 das Rüstzeug für sein politisches Handeln erarbeitet habe. Die besondere Atmosphäre im abgelegenen Celler Ortsteil ermögliche die Konzentration auf das Wesentliche.

Die Bildungszentrums-Geschäftsführer Harald Kolbe und Maximilian Schmidt betonten den Wert politischer Bildung. Schmidt zitierte den Sozialphilosophen Oskar Negt: „Die Verbindung von Bildung und Demokratie ist einzigartig. Sachwissen und Berufsqualifikation ist mit jeder Gesellschaftsverfassung vereinbar, auch mit einer totalitären; politische Bildung dagegen nur mit einer demokratischen Ordnung, denn ihr Ziel ist der mündige, aufgeklärte Bürger, der es wagt, sich seines Verstandes ohne Anleitung anderer zu bedienen.“

Für Zukunft gerüstet

Bildungszentrums-Vorsitzender Heinz-Hermann Witte freute sich über den positiven Kurs der Institution: „In den vergangenen zehn Jahren haben die Leiter Dietrich Burggraf, Harald Kolbe und Maximilian Schmidt zusammen mit der Belegschaft und mit Unterstützung des Vorstands einen grundlegenden Modernisierungskurs gestartet und nun mit ganzer Kraft vollendet. Fast vollendet, darf ich sagen, denn wir sind ja niemals fertig. Aber die Bilanz ist hervorragend: Nahezu sämtliche Häuser sind saniert, modernisiert und erweitert worden.“ Das 5,2 Millionen Euro teure neue Zentrum für Europäische Betriebsräte, das im Rahmen der Geburtstagsfeier eingeweiht wurde, sei einzigartig und ein Pfand für die Zukunft. Bereits jetzt sei es für 2019 komplett ausgebucht.

Wechsel an Spitze

Auch personell stelle sich das Zentrum neu auf, so Witte. So gehe Kolbe im nächsten Jahr in den Ruhestand und Schmidt wechsele als Hauptgeschäftsführer zur Bildungsvereinigung Arbeit und Leben in Niedersachsen. Direkt vor der Geburtstagsfeier habe man die Weichen für eine Wechsel gestellt, so Witte: „Ab dem 1. Januar 2019 wird Michael Giffhorn die Arbeit von Harald Kolbe und Maximilian Schmidt als neuer Leiter fortsetzen.“ Der bisherige Leiter der Heimvolkshochschule Springe komme nun zur „Schwesterschule“ in Hustedt.

Grundstein als Schlussstein

Den Abschluss der Feier bildete ein Akt, der auf seine Weise zeigte, dass in Hustedt auch gelehrt wird, gegebenenfalls unkonventionell zu denken und zu handeln: Zu offiziellen Eröffnung des Zentrums für Europäische Betriebsräte wurde im Boden seines Foyers ein Grundstein gelegt. Ein nochmaliges Richtfest sei jedoch nicht geplant, hieß es auf CZ-Nachfrage.