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Lachtehausen Krautdiebe räubern im Wald
Celle Aus der Stadt Lachtehausen Krautdiebe räubern im Wald
13:06 13.12.2018
Von Michael Ende
Quelle: Michael Ende
Lachtehausen

Heidelbeerkraut – dieses auch im Winter grüne Gewächs ist ein bei Floristen begehrter Bestandteil von Blumensträußen. Leider wird es bisweilen bei illegalen Raubzügen in der Natur beschafft – so zum Beispiel in der Allerheide.

Verbotene "Ernte"

Einer, der das beobachtet hat, ist Jürgen Friedrich (Name geändert). „Wie in den vergangenen Jahren werden in der Allerheide am Ahnsbecker Weg zwischen Altencelle und Lachendorf wiederholt vollflächig Heidelbeersträucher geschnitten“, so der Naturliebhaber: „Das geschieht nicht in kleinen Mengen wie auf einem Sonntagsspaziergang. Die Mengen, die hier regelrecht geerntet werden, füllen Lkw-Ladungen, und das Schneiden und Abtransportieren ist gut organisiert.“

Auch Buchen beschädigt

Friedrich besitzt in der Allerheide ein kleines Waldstück, das er vor zehn Jahren mit einem Wildschutzzaun versah, um die Monokultur der Kiefern aufzulockern. „Selbst hier nehmen die Diebe keine Rücksicht und zertreten Sämlinge, und mitunter werden Buchensetzlinge abgeschnitten.“

Diebe kommen immer wieder

Friedrich weiß, wie die Diebe vorgehen: „Zwei Männer gehen morgens in den Wald und schneiden Tag für Tag bis zum Einbruch der Dunkelheit das Kraut. Das geht so über Wochen. Das Kraut wird noch vor Ort mit Bindedraht zu handlichen Bündeln, die einem Reiserbesen ähneln, gebunden.“ Am späten Nachmittag würden die Bündel dann für nicht Eingeweihte unsichtbar am Weg abgelegt, um sie später abzutransportieren: „Das muss dann schon in einem Kleintransporter geschehen, da es sich dann schon um größere Mengen handelt. Das geht schon über Jahre so." Über den weiteren Vertriebsweg wisse er nur so viel: "Dieses Kraut landet dann in den Blumenläden im Lande. Es ist somit Hehlerware, denn es wurde ursprünglich gestohlen.“

Mutmaßlichen Täter angesprochen

Einen der „Schneider“ hat Friedrich einmal in einem grünen Sprinter sitzend angetroffen: „Er hatte sich scheinbar beim Schneiden der Sträucher an der linken Hand verletzt. Meine Frage, ob ich einen Arzt holen solle, verneinte er auf Deutsch. Bei weiteren Fragen nach seinem Tun, verfiel er in seine osteuropäische Muttersprache.“

Kahlschnitt schlimm für Tiere

Die Auswirkungen dieses Treibens seien „erschreckend“, so Friedrich: „Diese Pflanzen wachsen nur sehr langsam nach oder gehen sogar nach dem Schneiden ein. Es bleibt ein kahler Waldboden ohne Vegetation zurück.“ Gerade im Winter kann dass für Tiere fatal sein, denn wenn eine geschlossene Schneedecke liegt, ist zum Beispiel Rotwild auf Heidelbeerkraut als das letzte erreichbare Grün angewiesen.

"Absolute Zerstörung"

Friedrich ist erschüttert: „Am Anfang des Ahnsbecker Weges, wo vor Jahrzehnten geschnitten wurde, haben diese Pflanzen nie wieder ihre ursprüngliche Höhe erreicht. Für die Umwelt ist das eine absolute Zerstörung und in meinen Augen eine Katastrophe, da der Boden ohne Beschattung gerade in so trockenen Sommern wie diesem austrocknet und verdorrt.“

Polizei Celle ermittelt

Friedrich hat wie schon bereits 2016 und 2017 den gewerbsmäßigen Heidelbeerkraut-Diebstahls zur Anzeige gebracht. „Wir bearbeiten eine Anzeige wegen Diebstahl von Heidelbeersträuchern und Hausfriedensbruch“, bestätigt Polizeisprecherin Birgit Insinger. Der in diesem Jahr entstandene Schaden werde auf 10.000 Euro geschätzt.

Masche ist bekannt

Die Art des Delikts ist der Polizistin bekannt. Einmal habe man solche Diebe auch schon erwischt: „Das war im Jahr 2012. Damals hatte eine Arbeitskolonne von zehn Osteuropäern im Raum Baven Blaubeersträucher in großem Stil abgeerntet und gewerblich weiterverkauft.“ Auch aus Burgwedel und dem Heidekreis seien ähnliche Fälle bekannt.

Hinweise auf die Heidelbeerkraut-Diebe nimmt die Polizei Celle unter Telefon (05141) 277215 entgegen.