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Wietzenbruch Zerfetztes Kitz im Garten
Celle Aus der Stadt Wietzenbruch Zerfetztes Kitz im Garten
18:46 10.01.2019
Von Michael Ende
Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert
Wietzenbruch

Eine grausige Entdeckung machte kürzlich Erika Sturke, als sie nachmittags in ihren am Waldrand gelegenen Garten in Wietzenbruch ging. "Dort lag ein junges Reh – oder besser das, was davon noch übrig war. Das arme Tier war buchstäblich in Fetzen gerissen und halb aufgefressen worden", sagt sie. Wer hatte das bloß getan? Ein böser Verdacht keimte in Sturke auf. Sie rief die Polizei, und die benachrichtigte den Pächter des unmittelbar angrenzenden Jagdreviers, Wulf-Günter Favreau. Der konnte nicht selbst kommen: "Einer meiner Mitjäger fuhr hin."

Zehn Kilo schweres Stück über den Zaun gezerrt

Der Jäger habe sich die Fundstelle des toten Rehkitzes angesehen und anhand von Schleif- und Blutspuren festgestellt, dass das Tier, bei dem es sich um die seltene schwarze Variante des Rehwildes gehandelt habe, außerhalb des umfriedeten Grundstückes im Wald gerissen worden sei. "Das bedeutet, dass wer auch immer das Reh gerissen hat, das immerhin rund zehn Kilo schwere Stück über einen rund einen Meter hohen Zaun gewuchtet hat, um es dort in Ruhe zu fressen", so Favreau. Seine Vermutung: "Das kann nur ein Wolf geschafft haben."

Keine DNA-Probe entnommen

Das habe auch der Jäger vor Ort vermutet, so Sturke. Er habe dann den Kadaver in eine Wanne gelegt und für den Abtransport vorbereitet. Als der herbeigerufene Wolfsberater Volkhard Pohlmann schließlich auch zur Stelle gewesen sei, habe er allerdings keine DNA-Probe genommen, anhand derer man wissenschaftlich hätte nachweisen können, welches Tier das Reh gerissen habe. "Da da Kitz bereits angefasst und in einen Behälter gelegt worden war, an dem DNA von allen möglichen Tieren sein könnte, habe ich keine Probe mehr nehmen können – das hätte nichts gebracht", so Pohlmann.

Wölfe sind längst angekommen

Somit käme zum Beispiel auch ein wildernder Hund als "Täter" in Frage. Favreau hält das für extrem unwahrscheinlich. "Ich habe mein Revier bereits seit 1988, und in der ganzen Zeit hatten wir es nur zwei mal mit wildernden Hunden zu tun. Wolfsfährten sehen wir dagegen bei uns im Raum Wietzenbruch fast jeden Tag. Die sind überall unterwegs", sagt der Jäger, nach dessen Angaben das Rehwild extrem rar geworden ist.

Begegnung im Gewerbegebiet

Auch Pohlmann bestätigt, dass sogar die Wietzenbrucher Ortslage zum Streifgebiet von Isegrim zu gehören scheint: "Am selben Tag, als das gerissene Kitz im Garten lag, war um 20 Uhr abends ein Spaziergänger im Wietzenbrucher Gewerbegebiet mit seinem Hund unterwegs: Plötzlich blickte er in drei Augenpaare. Seinen Angaben nach handelte es sich dabei definitiv im drei Wölfe." Oder um drei wildernde Hunde, die nur so aussahen wie Wölfe?

Wildernden Hund würde man jagen

Keine DNA, kein Beweis: Ob nun ein Wolf oder ein wildernder Hund das Rehkitz gerissen hat, wird immer offen bleiben. Dem Reh dürfte es egal sein, und auch für Erika Sturke macht das keinen Unterschied: Ihr bleibt ein mulmiges Gefühl bei dem Gedanken an den Räuber, der da hinter ihrem Gartenzaun umher schleicht. Einen Unterschied gibt es freilich: Auf einen wildernden Hund würde Jagd gemacht – auf einen Wolf, der mit seiner Beute im Fang über Zäune in Gärten springt, nicht.