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Blaulicht 18-Jährige aus Hambühren hat sich selbst gefesselt
Celle Blaulicht 18-Jährige aus Hambühren hat sich selbst gefesselt
17:27 02.12.2016
Von Simon Ziegler
Hambühren

HAMBÜHREN. Sie hatte bei ihrer ersten Vernehmung angegeben, zu Bekannten ins Fahrzeug gestiegen zu sein und mit ihnen die Nacht verbracht zu haben. Dem war nicht so. Die weiteren Vernehmungen haben jetzt ergeben, dass sie die Nacht alleine in Celle verbracht hat. Die Hambührenerin ging zu Fuß nach Boye, wo sie sich schließlich als Entführungsopfer finden ließ.

Für das Vortäuschen einer Straftat sieht der Gesetzgeber einen Strafrahmen vor, der von einer Geldstrafe bis zu einer dreijährigen Haftstrafe reicht. Allerdings muss ein Gericht erst entscheiden, ob Jugend- oder Erwachsenenrecht angewendet wird.

„Wir gehen davon aus, dass die Ermittlungen in Kürze abgeschlossen sind. Dann wird über die Frage der Anklageerhebung entschieden“, sagte Janßen. Das Mädchen müsste sich dann vermutlich vor dem Celler Amtsgericht verantworten. Zunächst steht in der kommenden Woche dort ein anderer Termin an. Die 18-Jährige, die verdächtigt wird, rund 150 Straftaten begangen zu haben, steht am Donnerstag vor Gericht. Dabei geht es um zwölf Fälle.

Wiswe-Schreiben an Ministerpräsident: Unterdessen wurde bekannt, dass Celles Landrat Klaus Wiswe Ministerpräsident Stephan Weil in der Sache kontaktiert hat. Wiswe machte in einem Brief, den er vor der inszenierten Entführung geschrieben hat, deutlich, dass das Ansehen des Rechtsstaats bereits schweren Schaden genommen habe. Der Landrat machte auf die Versuche des Landkreises aufmerksam, die Tatverdächtige in einer Facheinrichtung unterzubringen. Dazu wurden Anträge beim Amtsgericht Celle gestellt. Die Antwort des Ministerpräsidenten von Ende November fiel für Wiswe unbefriedigend aus. Zwar versichert die Staatskanzlei, dass Weil die Sorgen der Bürger ernst nehme. Aber Richter seien unabhängig, der Ministerpräsident könne keinen Einfluss auf das gerichtliche Verfahren nehmen.

Das weiß natürlich auch Wiswe. Vielmehr geht es ihm um ein Zeichen der Landesregierung, den Bürgern zu signalisieren, dass alles getan werde, um ihnen zur Seite zu stehen. „Die Menschen haben das Gefühl, sie werden alleine gelassen“, sagte Wiswe der CZ.

Ähnlich argumentiert der Hambührener Landtagsabgeordnete Thomas Adasch (CDU). Er hatte nach der vemeintlichen Entführung Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz vorgeworfen, zur Eskalation beigetragen zu haben. „Wenn ein Gericht so überlastet ist, dass ein Fall wie dieser keine Priorität bekommen kann, muss das Justizministerium für Entlastung sorgen“, so Adasch. Stattdessen seien das Gericht, die Bürger in Hambühren und auch die Hauptverdächtige im Stich gelassen worden.