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Blaulicht 20 Monate Haft auf Bewährung für Vergewaltiger
Celle Blaulicht 20 Monate Haft auf Bewährung für Vergewaltiger
16:06 19.02.2014
Celle Stadt

Der 34-Jährige soll in der gemeinsamen Celler Wohnung zweimal die Wehrlosigkeit seiner Ehefrau ausgenutzt und gegen ihren Willen den Geschlechtsakt an ihr vollzogen haben. Aus einem der Übergriffe resultierte eine ungewollte Schwangerschaft. „Es war ein außergewöhnlich langes Verfahren, da die Taten über zehn Jahre zurückliegen und vom Opfer aus Angst und Beweismangel nicht sofort zur Anzeige gebracht worden waren“, sagte der Oberstaatsanwalt am Ende des vierten und letzten Prozesstages. Aufgrund des weit zurückliegenden Tatzeitpunktes erschwerten mangelhaftes Erinnerungsvermögen bei Zeugen, sowie aus Datenschutzgründen nicht mehr vorhandene Beweismaterialien die Wahrheitsfindung. Demnach konnten beispielsweise vom Opfer wahrgenommene psychotherapeutische Gespräche zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch nicht mehr dem Gericht nachgewiesen werden.

Um so deutlicher trugen nach den Übergriffen geführte, vor Gericht verlesene Internetchat-Konversationen zwischen dem Angeklagten und seiner inzwischen geschiedenen Ehefrau zur Aufklärung der Sachverhalte bei. Im Rahmen eines vom Angeklagten in Versöhnungsabsicht geführten Online-Dialoges vor etwa eineinhalb Jahren hatte er nämlich der Geschädigten gegenüber auf eine offen formulierte Frage hin gestanden, sie im Mai 2002 misshandelt und vergewaltigt zu haben. Den zur Anklage gekommenen Vorwurf des Opfers, damals die Taten unter Anwendung von Fesselwerkzeug, und im anderen Fall unter gewaltsamem Festhalten vollzogen zu haben, stellte der Angeklagte bis zuletzt in Abrede. Er habe die Übergriffe lediglich gestanden, um dann endlich Ruhe vor Gerüchten zu haben, hatte es geheißen. Bei der Geschädigten handele es sich nachweislich um eine labile Persönlichkeit, und die angeklagten Handlungen seien einvernehmlich vollzogen worden, sagte der Strafverteidiger.

Das Gericht befand die Aussagen des heute 29-jährigen Opfers zu den Vorfällen von damals für glaubhaft und plausibel. Bei allen Vernehmungen habe die Zeugin konstant und sachlich aus der Erinnerung heraus, sowie ohne Anzeichen von Belastungsabsichten dem Angeklagten gegenüber berichtet, hieß es in der Urteilsbegründung. Das schriftliche Schuldbekenntnis des Angeklagten sei echt gewesen und damals nur deshalb erfolgt, um seine Ex-Frau zurück zu gewinnen. Neben der Haftstrafe auf Bewährung wurde der Hartz-IV-Empfänger zu einer Geldstrafe in Höhe von 600 Euro zu Gunsten der Stiftung Opferhilfe verurteilt.

Von Anke Prause