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Blaulicht 22-jähriger Celler geht auf Polizisten und auf Richter los
Celle Blaulicht 22-jähriger Celler geht auf Polizisten und auf Richter los
18:00 15.06.2017
Celle Stadt

Außerdem muss sich die elfte Große Strafkammer mit einer Diebstahlserie des jungen Mannes beschäftigen. Die Staatsanwältin brauchte über eine halbe Stunde, um die insgesamt 16 Taten detailliert zu beschreiben.

Der Angeklagte ist eine etwas verwegene Person, die getrieben, furchtlos aber auch verzweifelt rüberkam. Ohne langes Zögern übernahm er die Verantwortung für 13 Diebstähle bei verschiedenen Bekleidungsgeschäften, Drogerien und Verbrauchermärkten.

Im Fokus der Hauptverhandlung stehen die brutalen Attacken gegen zwei Amtspersonen. Am späten Vormittag des 17. Januar kam an der Schlossbrücke eine Gruppe von Personen zusammen. Doch schnell schlug die Stimmung um. Passanten wählten den Notruf. Binnen weniger Minuten trafen die ersten Einsatzfahrzeuge ein.

Der Beschuldigte wies zahlreiche Blessuren im Gesicht auf. Um ihn zu versorgen, näherten sich zwei Beamten, um Erste Hilfe zu leisten. Ohne erkennbaren Grund begann der Angeklagte jedoch zu schimpfen und warf mit Hasstiraden um sich.

Der Auszubildende bestätigte mit leiser heller Stimme, Urheber der Beleidigungen gegen den Schutzmann gewesen zu sein. Falsch sei dagegen die Behauptung der Staatsanwaltschaft, dass er seine Hände zu einer Faust ballte und in Richtung des Kommissars schlug. Der 52-jährige Geschädigte, der seit vielen Jahren im Einsatz- und Streifendienst tätig ist, leidet heute noch an den psychischen Folgen und kann einen Finger nicht mehr bewegen.

Auch ein Celler Richter wurde zum Opfer des 22-Jährigen. Nach einer ruhigen Verhandlung studierte der Festgenommene auffallend langsam den schriftlich ausformulierten Haftbefehl. „Die Sitzung stand kurz vor dem Ende. Wortlos kam er auf mich zu und schlug mit seiner Faust dreimal zu. Ich war völlig überrascht“, berichtete der Haftrichter im Zeugenstand. Vier Wachtmeister waren nötig, um die Situation wieder unter Kontrolle zu bekommen. Ein Rettungswagen brachte den 35-jährigen Juristen nach der Attacke ins Krankenhaus. Zahlreiche Hämatome und eine Rissquetschwunde diagnostizierten die Ärzte.

„Ich habe mich emotional am Ende gefühlt und nicht gewusst, wie ich meine Drogensucht finanzieren soll“, erläuterte der Beschuldigte. Er nahm Marihuana über Crack, Spice bis zu Amphetaminen. Die Raubzüge in den Celler Geschäften sei auf „Bestellungen“ aus dem kriminellen Milieu zurückzuführen. Der 22-Jährige bestätigte, dass Dealer enormen Druck auf ihn ausübten, ihn zu Anfang dieses Jahres in seiner Wohnung überfielen und unmissverständlich die Schulden in Höhe in vierstelliger Höhe forderten. Da zur Tatzeit eine verminderte Schuldfähigkeit vorlag, geht es in diesem Prozess nicht um eine Gefängnisstrafe. Stattdessen steht die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus im Vordergrund. Ende Juli soll das Urteil fallen.

Von Benjamin Reimers