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Blaulicht 43-Jähriger aus Landkreis Celle wegen Kinderpornos verurteilt
Celle Blaulicht 43-Jähriger aus Landkreis Celle wegen Kinderpornos verurteilt
19:37 18.09.2017
Von Christian Link
Quelle: Christian Link (Symbolfoto)
Celle Stadt

Seine Lust nach jungen unbekleideten Männern kommt einen 43-Jährigen aus dem Landkreis Celle teuer zu stehen. Die Staatsanwaltschaft Hannover hatte den bislang unbescholtenen Mann in flagranti erwischt, als er sich auf einer Internet-Tauschbörse mehrere Fotos mit jugendpornografischem Inhalt besorgte. Auch Kinderpornos landeten dabei auf seiner Festplatte. Dass er diese gar nicht haben wollte, brachte ihm beim Prozess vor dem Amtsgericht Celle allerdings wenig.

Die Ermittler hatten am 25. Oktober 2015 zwischen 21.15 und 21.19 Uhr die Online-Tauschbörse GigaTribe ausspioniert. Dabei entdeckten sie etwa zehn jugend- oder kinderpornografische Bilddateien auf dem Computer des Angeklagten. Später stellte die Polizei bei einer Hausdurchsuchung sämtliche PCs, Tablets und Smartphones des 43-Jährigen sicher und fand dort weiteres Material: Laut Anklageschrift waren es 4088 jugendpornografische und 1721 kinderpornografische Dateien. Darunter auch rund 400 Videos.

"Ich schäme mich sehr, dass ich hier sitzen muss. Es tut mir unendlich leid, was ich da gemacht habe", sagte der sichtliche geknickte Angeklagte. Der seit 14 Monaten schwelende Prozess habe sein ganzes Leben zerrüttet und beinahe seine Beziehung zu seinem Lebensgefährten zerstört. "Herr S. ist froh, dass es zu Ende gehen wird. Das Ganze belastet ihn sehr", bestätigte Rechtsanwalt Ralf Blidon. Die Verfehlung seines Mandanten wolle er aber nicht kleinreden. "Das ist nichts dagegen, was Kinder erdulden müssen, die zu solchen Bildern und Videos gezwungen werden."

Ein Schulfreund habe den Angeklagten auf die Tauschbörse aufmerksam gemacht. "Ich habe nicht aktiv danach gesucht", versicherte der 43-Jährige. Doch seit Frühjahr 2015 habe er bis Jahresende etwa 15 Datei-Ordner heruntergeladen. Die Bilder und Videos habe er danach nur noch sporadisch angeschaut.

Die Frage von Strafrichter Jacobs, was er da eigentlich gesucht habe, beantwortete er ausführlich: "Ich hatte gehofft, dass ich da Bilder von jungen Männern finde, die unbekleidet sind. Und vielleicht auch sexuelle Handlungen aneinander vornehmen – aber nicht unter Zwang." An Kinderpornos habe er nie Interesse gehabt, versicherte er glaubhaft. Gewalt lehne er strikt ab. Da er die Bilder und Videos ordnerweise heruntergeladen habe, hätten sich dabei jedoch Dateien befunden, die er gar nicht haben wollte. Diese habe er gleich wieder gelöscht.

Richter Jacobs zitierte den Angeklagten, seinen Anwalt und den Staatsanwalt gleich zweimal zu sich, um die Abscheulichkeit der Bilder deutlich zu machen. "Haben Sie nie daran gedacht, dass diese Bilder auch unter Zwang aufgenommen wurden?", fragte Jacobs den 43-Jährigen. "Jetzt ja", antwortete dieser kleinlaut. "Ich habe jetzt richtig verstanden, was ich da für einen Scheiß gemacht habe."

"Ich nehme dem Angeklagten ab, dass er nicht mit einer besonderen kriminellen Energie im Internet gesurft hat", sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Die Menge der Dateien sei aber enorm. Zudem betonte der Ankläger: "Die Kinder und Jugendlichen müssen geschützt werden." Während der Verteidiger auf die Mindeststrafe drängte, forderte die Staatsanwaltschaft zweimal sechs Monate wegen Besitzes und Verbreitung von kinder- und jugendpornografischen Schriften auf Bewährung. Der 43-Jährige schlug daraufhin entsetzt die Hände vorm Gesicht zusammen.

"Ich bin von der Glaubhaftigkeit des Geständnisses überzeugt", sagte Jacobs bei der Urteilsverkündung. Doch über die Tauschbörse habe er auch anderen die Möglichkeit gegeben, sich diese Dateien zu beschaffen. Und dass der Angeklagte die Plattform auch weiterhin nutzte, nachdem er dort "Zwangsbilder" gefunden hatte, legte ihm der Richter zu seinem Nachteil aus. "Spätestens hier muss einem klar sein, dass man einer Industrie Vorschub leistet, die Kinder ausbeutet", wies Jacobs den Mann zurecht. Der Richter folgte dem Antrag des Staatsanwalts, zog die Einzelstrafen aber zu insgesamt acht Monaten zusammen. Eine vom Staatsanwalt geforderte Geldstrafe zugunsten des Kinderschutzbunds erhöhte Jacobs dagegen auf 7200 Euro.