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Blaulicht Acht Monate Haft auf Bewährung nach Verfolgungsjagd
Celle Blaulicht Acht Monate Haft auf Bewährung nach Verfolgungsjagd
17:32 13.06.2016
Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

Eine ganze Serie an Straftaten hatte sich ein 30-Jähriger aufgehalst, als er am frühen Morgen des 1. Oktobers berauscht, ohne Licht und viel zu schnell mit seinem Auto durch Westercelle gebrettert war. Nach einer Verfolgungsjagd blieb Anton D. (Name von der Redaktion geändert) an einer Leitplanke hängen, beschimpfte fünf Polizeibeamte und griff sie körperlich an. Nun verurteilte das Celler Amtsgericht den Asylbewerber wegen Straßenverkehrsgefährdung, dreifach begangener Körperverletzung und etwa zwei Stunden anhaltenden Beleidigungen zu acht Monaten Haft auf Bewährung und 125 Stunden Strafarbeit. Damit kam D. noch gut davon. Dass er zur Tatzeit nicht über gültige Papiere verfügte, fand nämlich in dem Urteil neben weiteren Anklagepunkten keine Berücksichtigung.

„Als die Polizei auftauchte, habe ich sofort eingesehen, dass ich zu schnell gefahren war“, gab D. zur Niederschrift. Er habe in der Tatnacht seine Ex-Freundin aufsuchen und zu einer weiteren Chance der Beziehung überreden wollen. Hinter einer Rechtskurve sei er gegen Zaun und Leitplanke gestoßen, ausgestiegen und vor den Beamten sofort auf die Knie gegangen, führte der Teilgeständige weiter aus. Die Verhaftung sei vorprogrammiert und Widerstand zwecklos gewesen. Seinerzeit habe er sich nämlich illegal in Deutschland aufgehalten, vor Fahrtantritt Alkohol getrunken und auch noch Reststrafen offen gehabt. Trotz Fixierung am Boden sei er von den Beamten mit Pfefferspray buchstäblich „geduscht“ und durch Umdrehen von Extremitäten malträtiert worden, sagte der Celler. Er habe nur wegen Atemnot und Vorerkrankung rum gezappelt und gegen den auf ihm hockenden Polizisten gewettert. Der Ordnungshüter habe ihn nämlich absichtlich gequält.

Zeugenangaben zufolge hatte sich der Angeklagte von Anfang an nicht von Blaulicht und Martinshorn, geschweige denn von der polizeilich angeforderten Verstärkung beeindrucken lassen. Nach dem abrupten Ende seines Blindflugs durch Celle soll sich D. nämlich vehement mit Tritten sowie versuchtem Kopfstoß gewehrt haben. Ebenso beharrlich war der damals mit circa 1,6 Promille und Betäubungsmitteln „Angereicherte“ mit permanenten Beleidigungen umgegangen. „Erst in der Ausnüchterungszelle war Ruhe“, sagte eine Polizistin. Vor Gericht entschuldigte sich der mehrfach Vorbestrafte jetzt bei allen Geschädigten. Für den Angeklagten gab es zudem vier Jahre Führungsaufsicht und ein Jahr Fahrerlaubnissperre.

Von Anke Prause