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Blaulicht Acht Monate Haft für Falschaussage
Celle Blaulicht Acht Monate Haft für Falschaussage
13:11 23.04.2013
Celle

Nach vier Verhandlungstagen am Celler Amtsgericht wegen eines Feuers in einem Geschäft von September 2009 ist jetzt ein 30-Jähriger vom Vorwurf der Brandstiftung freigesprochen worden. Ihm konnte die Tat nicht nachgewiesen werden. Der Angeklagte wurde aber zu acht Monaten Haft verurteilt, weil er zu Gunsten des inzwischen wegen Anstiftung zur Brandstiftung verurteilten Ladeninhabers eine uneidliche Falschaussage gemacht hatte.

Im September vor vier Jahren waren bei einem Zimmerbrand in den Verkaufsräumen des Celler Geschäftes Autoreifen, Ladeninventar und Kleinelektronikteile abgefackelt. Ermittler und Spürhunde hatten drei Brandherde sowie Spuren von Brandsätzen vorgefunden. Durch Verrußungen am Gebäude konnten die Räume monatelang nicht genutzt werden.

Im Rahmen von Ermittlungen wegen schweren Raubes war der Angeklagte im März des vergangenen Jahres ins Visier der Ermittler geraten. Bei der Vernehmung im Zusammenhang mit der Brandsache hatte er den damaligen Freund und Kioskbetreiber schwer belastet. Dieser habe ihm 5000 Euro angeboten, wenn er seinen Laden anzünde, hatte der ehemalige Produktionshelfer damals ausgesagt. Nachdem der Beschuldigte dies bestritt, hatte er die belastende Aussage wieder zurückgenommen. Zu einem weiteren Termin am Folgetag war der Zeuge nicht bei der Polizei erschienen.

Im Juli vergangenen Jahres fand am Landgericht Lüneburg die Hauptverhandlung gegen den vormaligen Kioskpächter statt. Der Ex-Ladeninhaber sitze unschuldig in Haft und seine Belastungsaussage bei der Polizei sei nur „an den Haaren herbeigezogen gewesen“, hatte er damals als unvereidigter Zeuge zu Protokoll gegeben. Auch sei ihm nie Geld angeboten worden, geschweige denn über bestehenden Versicherungsschutz gesprochen worden.

Nach eindeutiger Beweislage hatte der Angeklagte damals aus Angst vor seinem Freund gelogen, um für ihn einen Freispruch zu erwirken. Im Gegenzug hatte dieser im Verlauf einer in der Haft abgegebenen „Lebensbeichte“ vom August letzten Jahres neun besonders schwere Raubüberfälle und sechzig Wohnungseinbrüche des Angeklagten „eingeräumt“. Zumindest in Sachen Brandlegung herrschte dann aber wieder Einigkeit. Keiner der Beiden hat bislang diesbezüglich eine Aussage gemacht.

Von Anke Prause