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Blaulicht Ältere zunehmend Opfer von Raubüberfällen
Celle Blaulicht Ältere zunehmend Opfer von Raubüberfällen
13:15 19.09.2018
Von Christoph Zimmer
Symbolbild Quelle: Alex Sorokin
Celle

Die 88 Jahre alte Frau war völlig arglos, als sie in der Mittagszeit die Haustür öffnete. Ein Mann stand davor und fragte nach Flohmarktartikeln. Als sie ihn abwies, stieß er die Seniorin brutal zu Boden und drang in ihr Haus in Westercelle ein. Der bislang unbekannte Täter ging in das Schlafzimmer, entwendete ein Schmuckkästchen und flüchtete anschließend. Raubüberfälle wie dieser im September sind keine Seltenheit. Allerdings werden Senioren zunehmend Opfer von brutalen Raubüberfällen. Dabei registrieren Opferschutzverbände eine deutlich steigende Gewaltbereitschaft der Täter.

Zwar werden Menschen über 60 nicht häufiger überfallen als vor acht Jahren, wie ein Blick in die Polizeiliche Kriminalstatistik beweist. 2010 gab es sieben Fälle, 2017 waren es acht. „Auch auf Landesebene ist in diesem Zeitraum kein Anstieg zu verzeichnen“, erklärt Michael Stoll von der Polizei Celle. Wie der Sprecher weiter sagt, sei eine Zunahme der Gewalt statistisch nicht belegbar.

Dass die Hemmschwelle der Täter sinkt und die Gewaltbereitschaft gegenüber häufig hilflosen und gutgläubigen Senioren zunimmt, beobachten Opferverbände jedoch schon länger. „Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass die Senioren in Zukunft noch stärker in den Fokus von Tätern rücken“, sagt Anne Wycisk mit Blick auf die immer älter werdende Gesellschaft. Sie arbeitet seit 20 Jahren für den Weißen Ring in Celle, seit sechs Jahren leitet sie die Außenstelle der Opferschutzorganisation. „Wir stellen seit einiger Zeit fest, dass die Brutalität extremer geworden ist und es immer weniger Verständnis für ältere Menschen gibt“, berichtet sie aus ihren Erfahrungen und den Gesprächen mit den Opfern, die sie immer häufiger auch nach Raubüberfällen betreut. „Es ist den Tätern offenbar egal, was mit den Menschen passiert. Auch wenn sie schwer verletzt am Boden liegen oder in ihrer Wohnung sterben könnten.“

Stoll warnt in diesem Zusammenhang vor organisierten Banden. „Es muss davon ausgegangen werden, dass sie häufiger zusammenarbeiten“, sagt der Polizeisprecher. Allerdings sei es schwierig, dieses Zusammenwirken aufzuklären. „Polizeiarbeit ist Ländersache, die Täter agieren aber international. Von daher kommt der internationalen Zusammenarbeit eine große Bedeutung zu.“

Kriminelle suchen laut Stoll etwa in Telefonbüchern nach alten Vornamen und den dazugehörigen Adressen. Oder sie beobachten gepflegte Einfamilienhäuser und überfallen Menschen, bei denen Vermögen und Wertgegenstände vermutet werden. „Ältere Menschen haben sparen gelernt und verfügen deshalb häufig über Vermögen. Zudem haben sie häufig echten Schmuck und größere Summen Bargeld in der Wohnung“, sagt Stoll. „Unsere Fälle zeigen, dass die Täter in jedem Einzelfall hohe Summen erbeuten, dieser Erfolg motiviert die Täter.“ Weil sie bei Überfällen häufig Spuren hinterlassen, liegt die Aufklärungsquote deshalb höher als etwa bei Einbrüchen oder Diebstählen.

Die deutlich höhere Aufklärungsquote der Polizei bei Raubüberfällen dürfte für die Opfer nur ein sehr schwacher Trost sein angesichts der mitunter Jahre dauernden körperlichen und seelischen Folgen. „Bei Raubüberfällen entwickeln etwa 20 bis 30 Prozent der Betroffenen eine posttraumatische Belastungsstörung. Grundsätzlich kommt es immer auf die Persönlichkeit des Einzelnen und auf die Begleitumstände an, wie ein Mensch mit solch einem Erlebnis umgeht“, berichtet Wycisk und erklärt den psychologischen Mechanismus, der in solchen Fällen bei Opfern abläuft. Manche würden nur wenige Therapiestunden benötigen. „Andere überwinden es gar nicht. Sie verfolgt die Tat ein Leben lang.“

Aus ihrer Sicht hat das vor allem mit dem erschütternden Vertrauen und Weltbild zu tun. „Wir bauen unseren Alltag auf der Illusion auf, dass uns schon nichts passieren wird und die eigenen vier Wände uns einen besonderen Schutz als Rückzugsort geben.“ Bei einem solchen Vorfall mit einer Gewalterfahrung wie bei einem Überfall gerate dieses Weltverständnis grundlegend aus den Fugen, sagt Wycisk.

Opferverbände und Polizei mahnen Senioren zur Vorsicht. „Es gibt Broschüren der Polizei mit Tipps und entsprechende Präventionsveranstaltungen. Außerdem steht das Präventionsteam der Polizeiinspektion als Ansprechpartner zur Verfügung“, sagt Stoll.

Oft sind die ersten Schritte zurück in die Normalität nur mit Hilfe von Gesprächen und einer Therapie möglich. „Auch die Familie und die Freunde spielen dabei eine große Rolle“, sagt Wycisk. „Vor allem viele ältere Menschen schaffen das nicht alleine. Wir hören immer wieder, wie gut ihnen diese Gespräche getan haben.“ Allerdings falle es vielen Opfern schwer, sich Hilfe zu suchen. Gerade bei älteren Menschen, wenn etwa der Partner verstorben ist und die Familie weit weg wohnt, ist das häufig schwer. „Um so wichtiger ist es für Betroffene, sich nach einem solchen Erlebnis früh Hilfe zu holen.“

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