Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Blaulicht Alter Hof Groß Ottenhaus bei Celle wird Raub der Flammen (mit Kurzvideo)
Celle Blaulicht Alter Hof Groß Ottenhaus bei Celle wird Raub der Flammen (mit Kurzvideo)
18:07 18.10.2017
Von Michael Ende
Quelle: Oliver Knoblich
Altencelle

Gegen 6.35 Uhr wurde die Feuerwehr alarmiert. Als Einsatzkräfte am Ort eintrafen, stand die unbewohnte Hofstelle bereits lichterloh in Flammen. "Die Brandbekämpfung stellte sich aufgrund einer fehlenden Löschwasserversorgung zunächst als schwierig dar", so Celles Feuerwehr-Pressesprecher Florian Persuhn. Um die Einsatzstelle kontinuierlich mit Löschwasser zu versorgen, wurden zwei rund 1000 Meter lange Schlauchleitungen zu Löschwasserbrunnen gelegt. Den entstandenen Sachschaden schätzte Polizeisprecher Guido Koch auf rund 100.000 Euro. Die Brandursache sei noch nicht bekannt: "Wir ermitteln wie immer in alle Richtungen."

Die Wurzeln von Groß Ottenhaus reichen bis ins Mittelalter zurück. Herzog Otto I. "das Kind" schenkte im Jahre 1243 seiner Tante Agnes von Landsberg ein Haus, "Domus Ottonis" (Ottos Haus) genannt, nebst Ländereien und Waldungen mit der Befugnis, es dem Kloster Wienhausen überlassen zu dürfen. Nach ihrem Tod gelangte der Hof in den Besitz des Klosters Wienhausen. Das jetzt abgebrannte Hauptgebäude von Groß Ottenhaus, ein jüngerer Ersatzbau, stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und ist ein regionaltypisches Vierständer-Hallenhaus. Bedeutendstes erhaltenes Gebäude ist die Scheune, inschriftlich datiert "Anno 1600".

Um die mehr als 400 Jahre alte Scheune vor dem Verfall zu retten, hatten im Jahr 2004 Mitarbeiter des städtischen Denkmalschutzes und des Vereins "Fachwerk im Celler Land" sowie der damalige Eigentümer Wolfgang Hofmann Hand angelegt. Damals hoffte Homannn auf einen Investor, der das Kleinod wachküssen und ein Nutzungskonzept entwickeln würde.

Jahrelang wurde das insgesamt rund 8000 Quadratmeter große Anwesen für nur 310.000 Euro zum Verkauf angeboten. Im April 2017 hat der alte Hof einen neuen Besitzer gefunden. Sven Kiedrowski aus Hetendorf ist jetzt Besitzer des Anwesens. "Wir wollten alles komplett sanieren", sagte er gestern. In die Scheune habe er bereits 100.000 Euro investiert: "Die haben wir wieder tipptop in Schuss gebracht und wollten uns eigentlich im Frühjahr das Haupthaus vornehmen." Auch dort wollte er unter möglichst viel Verwendung von Original-Substanz neues Leben einziehen lassen. "Wir wollten das Alte erhalten. Das sollte alles richtig schick werden", so Kiedrowski. Jetzt müsse erst einmal geklärt werden, ob es noch Altes gebe, das man erhalten könnte.

Wie es in Groß Ottenhaus weiter geht, weiß Kiedrowski noch nicht. Auch wenn es sich um ein Objekt im "Außenbereich" handele, könnte er Ersatz für das zerstörte Haus bauen – aber nichts Anderes, heißt es auf CZ-Anfrage aus dem Rathaus. Im Baugesetzbuch sei geregelt, dass dort „die Neuerrichtung eines zulässigerweise errichteten, durch Brand zerstörten, gleichartigen Gebäudes an gleicher Stelle“ nicht grundsätzlich ausgeschlossen sei, so Stadt-Sprecherin Myriam Meißner: "Das heißt, theoretisch könnte das Haus an gleicher Stelle, in gleicher Größe wieder errichtet werden – sofern nicht andere Belange dagegen sprechen. Eine Wohnsiedlung oder Mehrfamilienhäuser wären nicht möglich."