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Blaulicht Amtsgericht Celle: Familie nutzt seelische Behinderung aus
Celle Blaulicht Amtsgericht Celle: Familie nutzt seelische Behinderung aus
10:16 29.06.2018
Celle Stadt

Die gebürtige Cellerin, die zurzeit bei der Schwester ihres Lebensgefährten wohnt, war dort von zwei Polizisten abgeholt und in den Gerichtssaal begleitet worden, damit der Prozess nicht eventuell platzt. Sie hat eine anerkannte seelische Behinderung von 100 Prozent.

Ein Umstand, den ihre Großfamilie ausnutzte: Es wurde gemeinsam geklaut und das Diebesgut dann der Angeklagten zugesteckt. In anderen Fällen wurde sie allein losgeschickt, um bestimmte Gegenstände zu stehlen.

Ihr könne nichts passieren, denn sie habe ja den Schwerbehindertenausweis, redeten ihr die Geschwister ein. In den Geschäften kamen sie oft damit durch, wenn von der Familie niemand bemerkt haben wollte, dass die „Schwachsinnige“ etwas eingesteckt hatte. Zudem wurde die Angeklagte in die Wohnung von Nachbarn und Bekannten geschickt, um dort Geld zu stehlen.

Mit anderen Menschen gingen zwei ihrer Brüder auch sonst nicht zimperlich um, es kam zu verbalen und körperlichen Attacken. Auch hier war die 22-Jährige in zwei Fällen wegen ihrer aktiven Beteiligung angeklagt. Die Familie gilt wegen diverser Delikte als einschlägig bekannt bei Polizei und Justiz.

Im August 2014 hatte die Angeklagte einer Siebenjährigen gedroht, deren Mutter umzubringen, nur weil sich das Kind zunächst geweigert hatte, ihr seinen Hund zu geben.

Das Jugendschöffengericht musste nun entscheiden, ob und inwieweit die Frau schuldfähig und damit strafmündig ist. Eine Sachverständige, die als Psychologische Psychotherapeutin in Hannover tätig ist, berichtete über ihre Eindrücke und die Testergebnisse, die eine leichte Intelligenzminderung ergaben. Sie kritisierte zudem vorherige Gutachten.

Nach ihrem Bericht festigte sich der Eindruck, dass die Großfamilie die Angeklagte unter Kontrolle hielt. Sie wurde in der Familie ihres Vaters von der Großmutter aufgezogen und lernte dort, dass man sich Dinge aneignet, ohne zu bezahlen, und das sie diejenige ist, die nicht dafür belangt wird.

Die Staatsanwaltschaft betonte, dass man dem Geständnis eine hohe Bedeutung beimessen müsse. Weil nicht mit Sicherheit beurteilt werden könne, ob schädliche Neigungen laut dem Jugendgerichtsgesetz vorliegen, solle die Angeklagte nach Jugendstrafrecht zu einem Jahr Bewährung verurteilt werden, einen Bewährungshelfer erhalten und 60 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Er begleite die Angeklagte schon einige Jahre, sagte der Pflichtverteidiger. Sie habe seit dem Tod der Großmutter, die das Regime geführt habe, einen enormen Entwicklungssprung gemacht. Der Vorschlag der Staatsanwaltschaft sei eine „goldene Brücke“, die man seiner Mandantin gebaut habe. Jetzt werde sie endlich zur Verantwortung gezogen, der Freibrief für die Familie entfalle.

Sie habe „Scheiße“ gebaut, gab die junge Frau zu. Nur wenn sie Geld habe, kaufe sie jetzt etwas ein. Ihr Ziel sei es, mit ihrem Lebensgefährten in eine eigene Wohnung zu ziehen und den einjährigen Sohn zu sich holen zu können, der ebenso wie die dreijährige Tochter in einer Pflegefamilie lebt.

Das Gericht glaubte ihr, dass sie es ernst meint. Anerkannt wurden der familiäre Druck und die „kleinen und größeren Baustellen“ in der Familie. Die Verurteilung erfolgte nach Jugendstrafrecht, da die überwiegende Zahl der Taten noch als Heranwachsende begangen worden waren und folgte in der Höhe dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Von Martina Rolfs

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