Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Blaulicht Amtsgericht Celle: Vom Ehemann geschlagene Frau zieht Aussage zurück
Celle Blaulicht Amtsgericht Celle: Vom Ehemann geschlagene Frau zieht Aussage zurück
08:45 07.08.2018
Celle Stadt

Da das schweigeberechtigte Opfer nicht zum Gerichtstermin erschien und die Beweisaufnahme die aktive Beteiligung der Geschädigten an einer vorangegangenen verbalen Auseinandersetzung ergab, wurde der Sachverhalt nicht tief greifender aufgeklärt. Für die vorläufige Einstellung des Verfahrens muss der wegen Körperverletzung Angeklagte innerhalb von fünf Monaten 200 Euro an die Stiftung Opferhilfe Niedersachsen zahlen und entgeht so einer Verurteilung.

Weil er eine Stunde länger draußen gewesen sei, habe es in der gemeinsamen Celler Wohnung lautstarken Streit und wechselseitige Beschimpfungen gegeben, sagte der Angeklagte vor Gericht aus. Im Verlauf „ganz normaler“ Schubserei von beiden Seiten sei er mit seiner Hand irgendwo gegen gekommen. Es sei denkbar, dass sich seine Ehefrau danach an einem Schrank gestoßen und sich dabei die von alarmierten Polizisten fotografisch festgehaltene blaue Wange zugezogen habe, sagte der Hartz-IV-Empfänger. Zwei von einem Nachbarn bezeugte Hilfeschreie habe seine Frau ganz sicher nicht ausgestoßen, antwortete er auf Nachfrage des Vorsitzenden. Sie habe nämlich am Folgetag ihre ihn belastende Aussage zurückgenommen.

Den Angaben eines Polizisten zufolge hatte ihm die Geschädigte am Vorfalls­tag weinend und mit geschwollenem Gesicht die Haustür geöffnet und mit Worten und Gesten demonstriert, auf welche Weise ihr Mann sie „wieder mal“ geschlagen habe. Nach zwei Tagen habe das Opfer angegeben, dass wieder alles in Ordnung sei, weshalb ein gegen den bislang nicht Vorbestraften erteilter Platzverweis aufgehoben wurde, so der 28-jährige Zeuge. Der Angeklagte zeigte sich unwillig im Hinblick auf ein vom Richter nahe gelegtes Gewaltberatungsgespräch. Er sei kein Schläger und kläre seine Privatangelegenheiten grundsätzlich nur innerhalb der Familie, hieß es.

Von Anke Prause