Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Blaulicht Angriff mit Spitzhacke in Hambühren: Mordversuch oder Körperverletzung?
Celle Blaulicht Angriff mit Spitzhacke in Hambühren: Mordversuch oder Körperverletzung?
13:22 23.01.2014
Durch das Einschlagen der Terrassentür - mit einer Spitzhacke sollen die beiden Opfer aufgewacht sein. Das behauptet - der Anwalt von Karsten L. Heimtücke könne also kein Mordmerkmal sein. Die Staatsanwaltschaft bleibt beim Vorwurf - des versuchten Doppelmordes. Quelle: Simon Ziegler
Hambühren

HAMBÜHREN. Nach Ansicht seines Anwalts hat Karsten L. nicht versucht oder in Kauf genommen, seine frühere Freundin (24) und ihren neuen Partner (24) zu töten. „Man kann sicher davon ausgehen, dass es kein Mordversuch war“, sagte der Hambührener Strafverteidiger Jörg Salzwedel nach Einsicht der Akten. Es fehle an einem klaren Mordmerkmal, das den Vorwurf des versuchten Mordes in zwei Fällen rechtfertige. Salzwedel argumentiert, dass Heimtücke als Mordmerkmal nicht infrage komme, weil die beiden Opfer durch das Einschlagen der Terrassentür mit der Spitzhacke aufgewacht seien. Der Angriff habe sie somit nicht im Schlaf überrascht und sei nicht von hinten erfolgt.

Der 24 Jahre alte Straßenbauer soll am 5. Januar mit einer Spitzhacke auf seine Ex-Freundin und ihren neuen Partner im Schlaf eingeschlagen und sie schwer verletzt haben. Er soll dabei mehr als eine Promille Alkohol im Blut gehabt haben. Er wurde wenige Stunden später festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft in Salinenmoor. Der mutmaßliche Täter selbst hat noch nicht ausgesagt und „wird das auch erst mal nicht machen“, sagt sein Anwalt.

Salzwedel berichtete zudem, dass die Ex-Freundin nach der Attacke bei der Mutter des mutmaßlichen Täters angerufen und neue Bettwäsche gefordert habe, weil die alte mit Blut verschmiert war. „Das zeigt, dass das weibliche Opfer den Angriff selbst nicht als Mordversuch wertet. Sonst verhält man sich anders“, sagte Salzwedel. Zudem sei zu prüfen, inwieweit sein Mandant durch den starken Alkoholkonsum eingeschränkt schuldfähig gewesen sei.

Die Staatsanwaltschaft hingegen bleibt beim Vorwurf des versuchten Doppelmords. „Es gibt keinerlei Veranlassung von der rechtlichen Bewertung abzuweichen“, sagte Oberstaatsanwalt Witold Franke. Der Täter habe billigend in Kauf genommen, dass die beiden Opfer bei dem brutalen Angriff getötet werden, insofern liege zumindest ein „bedingter Tötungsvorsatz“ vor. Er sieht gleich zwei Mordmerkmale erfüllt. Heimtücke, weil die Opfer im Schlaf arg- und wehrlos gewesen seien. Und niedere Beweggründe, weil er die Trennung von seiner Freundin nicht verkraftet habe und extrem eifersüchtig war. Nach dem Ende der Beziehung im November nach eineinhalb Jahren hatte er der Frau nachgestellt und sie gestalkt. Die Polizei musste regelmäßig einschreiten. Kurz vor der Tat hatte er sogar gedroht, dass „bald etwas passieren“ werde. Nach Angaben von Franke sind bislang mehrere Zeugen vernommen worden. Es sollen noch fünf weitere Zeugen gehört werden.

Nach der Festnahme des gelernten Straßenbauers kam in Hambühren das Gerücht auf, dass er gegen Kaution wieder freigelassen wurde. Als seine frühere Freundin davon erfuhr, rief sie mehrmals bei der Polizei an. Sie hat bis heute massive Angst vor ihrem ehemaligen Partner. Nach Informationen der Celleschen Zeitung aus dem Umfeld des mutmaßlichen Täters, der in der Vergangenheit weiche Drogen wie Cannabis konsumierte, soll er auch in der Tatnacht unter Drogeneinfluss gestanden haben. Franke wollte das nicht bestätigen. „Darauf haben wir keinen Hinweis.“

Von Simon Ziegler und Christoph Zimmer