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Blaulicht Anti-Drogentag in Celle: "Cannabis ist keine weiche Droge"
Celle Blaulicht Anti-Drogentag in Celle: "Cannabis ist keine weiche Droge"
17:40 24.06.2016
Quelle: Fremdfotos / Texte Eingesandt
Celle Stadt

„Leider bekommen Sie alle Cannabisdrogen an jeder Ecke im Landkreis Celle“, erklärt der Kriminalbeamte Guido Jenke, der bei der Polizei Celle für Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz zuständig ist. Gerade im Schlosspark oder am Bahnhof erkennen Dealer ihre potenziellen Kunden und sprechen sie gezielt an. Dabei ist der Handel mit Drogen kein Kavaliersdelikt. Das bekam kürzlich auch eine 23-jährige Cellerin zu spüren, die Marihuana in 19 Fällen an Minderjährige verkaufte. Die Quittung vom Landgericht Lüneburg: eine Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung. Zu ihren Kunden gehörte auch ein Schüler des Ernestinums, der mit Freunden einen Haschkuchen backte und diesen auf dem Schulhof verteilte.

Wer eine Backmischung mit Marihuana versetzt, geht noch größere Risiken ein als beim Rauchen von Joints. „Wenn Cannabis mit dem Magen aufgenommen wird, verstärkt sich die Wirkung“, sagt Jenke. Neun Gymnasiasten mussten nach dem Kuchenverzehr ins Krankenhaus, der Großteil hatte über Kreislaufprobleme geklagt. Eine Schülerin litt unter psychiatrischen Problemen.

Wenn Teamleiter Jenke an die Diskussion zur Legalisierung von Cannabis denkt, wird ihm angesichts des gestiegenen Wirkstoffgehalts bange: „Zu Flower-Power-Zeiten lag der THC-Gehalt bei rund 5 Prozent, heute liegt er gewöhnlich bei 12 Prozent und in Celle meist bei mehr als 13 Prozent.“ Bei häufigem Konsum entwickeln sich schwerste körperliche und geistige Abhängigkeiten. In Fachkreisen heißt es, dass 70 Prozent der Jugendlichen, die regelmäßig Joints rauchen, unter psychischen Begleiterkrankungen leiden: Wahnvorstellungen, Angstzustände, Herzrasen, Teilnahmslosigkeit und Filmrisse. „Cannabis ist keine weiche Droge“, betont Jenke zum Anti-Drogentag morgen. Es sei fast vergleichbar mit der Abhängigkeit von Heroin.

„Zum Glück haben wir in Celle keine offene Drogenszene wie in Großstädten“, erklärt Jenke. Illegale Substanzen werden also meist in Autos und Wohnungen konsumiert. Doch im Vergleich mit anderen Kleinstädten liege Celle ziemlich weit vorn: „Sogar aus Lehrte kommen die Leute, um sich hier mit Drogen einzudecken.“ Die Polizeiarbeit konzentriert sich vor allem auf die Festnahme der Drogenhändler. Im Jahr 2014 gab es 95 Verfahren und 2015 sogar 131 Verfahren. An die Händler kommen die Beamten oft über die Konsumenten heran. 2014 verzeichnete die Polizei 460 und im Jahr darauf 413 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Die Streifenpolizisten sind mittlerweile so geschult, dass sie bei einer Verkehrskontrolle in wenigen Sekunden erkennen können, ob jemand Drogen genommen hat. Auch wenn die Celler nicht hinterm Steuer mit Joints erwischt werden, müssen sie damit rechnen, dass die Polizei den Verstoß der Führerscheinstelle meldet. „Dann ist der Lappen erst einmal weg oder man wird nicht zur Fahrprüfung zugelassen“, so Jenke.

Kiffer und Betrunkene sind nur vom Geruch her zu unterscheiden, Anzeichen wie die verwaschene Sprache und Koordinationsschwierigkeiten sind ähnlich. „Eltern sollten aufmerksam werden, wenn sie die breiten OCB-Zigarettenblättchen im Zimmer finden.“ Die Erziehungsberechtigten sollten ihre Kinder nicht verteufeln, sondern ihnen helfen und mit ihnen eine Suchtpräventionsstelle aufsuchen. Aber auch „echte Freunde“ sollten andere Jugendliche darauf hinweisen, dass Joints voll daneben sind. Erfolgreich an Schulen ist das Präventionsteam mit Planspielen wie der „Kifferrallye“. Wenn die Jugendlichen erst einmal vor echten Statisten vom Amtsgericht sitzen, wird ihnen ganz anders zumute.

Von Dagny Rößler