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Blaulicht Betrogener Celler Geschäftsmann beklagt 400.000 Euro Schaden
Celle Blaulicht Betrogener Celler Geschäftsmann beklagt 400.000 Euro Schaden
20:47 15.03.2015
Von Gunther Meinrenken
ARCHIV - Eine Statue der Justitia mit einer Waage in ihrer Hand (Archivfoto vom 08.10.2012). Aus Überlastung und Sorge vor langen Prozessen halten sich Richter nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ bei Absprachen im Strafprozess nicht immer ans Gesetz. Die seit August 2009 geltenden Regeln, die für mehr Transparenz bei der umstrittenen Verständigungspraxis sorgen sollten, würden häufig umgangen. Foto: David Ebener/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: David Ebener
Celle Stadt

Der CZ ist eine der Strafanzeigen zugespielt worden, die gegen den Vertriebsleiter gestellt wurde. Sie stammt aus der Feder des Celler Anwalts Wolfgang Lidle. Er vertritt den Geschäftsmann, der nach Stand der Dinge zu den beiden Hauptgeschädigten zählt. Wie die Anzeige zur CZ gelangt ist, weiß Lidle nicht. Er sei es nicht gewesen, stellt er klar. Die Schrift datiert vom 28. November 2013. "Mittlerweile sind noch weitere Anzeigen gestellt worden", weiß Lidle. Unter anderem auch von einem Mann aus Hamburg, der ebenfalls einen sechsstelligen Schaden beklagen soll.

Aus der Anzeige geht hervor, dass sich der mutmaßliche Betrüger und der Celler Geschäftsmann Anfang 2013 näher kennengelernt haben. Der Vertriebsleiter kaufte Fernseher, Computer, iPads und andere Geräte in dem Laden des Fachhändlers. Der Umsatz habe bei 30.000 bis 50.000 Euro gelegen.

Die Geschäftsbeziehungen intensivierten sich. Schon ein paar Wochen später habe der Verdächtige dem Mandanten von Lidle selbst Geräte angeboten, als erstes Herde und Waschmaschinen zu "einem Super-Preis". Der Händler schlug zu und alles lief reibungslos. Er zahlte im Voraus und erhielt drei Wochen später die Ware. In der Folge offerierte der Vertriebsleiter immer weitere äußerst günstige Produkte: Computer, Notebooks, Fernseher. Die Stückzahlen wurden immer größer, die Gewinnmargen stiegen. Die Bestellungen erzielten einen Wert von zuletzt 230.000 Euro.

Doch der Geschäftsmann wunderte sich, warum die Waren so günstig waren. Erklärung des Vertriebsleiters: Es gebe eine "Rückvergütung aus der Wirtschaft", die die Differenz zwischen dem gezahlten Preis und dem tatsächlich zu zahlenden unverbindlichen Kaufpreis ausgleichen würde. Der Händler war mit der Antwort zufrieden und bestellte weiter.

Im Juli trübten sich die Geschäftsbeziehungen ein. Der Vertriebsleiter erklärte, er könne keine Ware mehr erhalten, da derzeit die Rückvergütung aus der Wirtschaft nicht mehr gezahlt werde. Wie sich herausstellte, hatte er zudem vier Rechnungen an Zwischenhändler in Höhe von insgesamt fast 560.000 Euro nicht bezahlt. Der Celler Einzelhändler stellte Nachforschungen an. Der Vertriebsleiter erklärte ihm, "dass sein Geschäftspartner in Hannover sitzen würde, er dessen Namen nicht nenne könne, da er sonst umgebracht werde".

"Der Gesamtschaden beläuft sich auf etwa 400.000 Euro", heißt es in der Anzeigenschrift. Doch das ist nicht alles. Es gab auch private Geschäfte zwischen den beiden. So hatte sich der Vertriebsleiter bei Lidles Mandanten im Mai 2013 48.000 Euro geliehen, die er mit 21.000 Euro Zinsen zurückzahlen wollte. Doch dazu kam es nicht. Stattdessen bot er einen Mercedes SL 500 für 69.000 Euro an. Doch am Ende soll es weder das Geld noch den Wagen gegeben haben.