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Blaulicht Betrugsmasche in Celle: Ja-Sager in Gefahr
Celle Blaulicht Betrugsmasche in Celle: Ja-Sager in Gefahr
18:02 17.07.2017
Von Michael Ende
Betrüger benutzen Mitschnitt als "Beweis". Quelle: Julian Stratenschulte
Celle Stadt

Rita Bauermeister (Name geändert) aus Celle hatte gerade eine Anruf, bei dem bei ihr sämtliche Alarmsirenen angingen. „Da fragte mich irgendeine mir unbekannte Person, ob ich sie gut hören könne und ob ich Rita Bauermeister sei“, erzählt die Frau. Die Rentnerin ist plietsch und hatte schon davon gehört, dass Kriminelle auf der Jagd nach Ja-Sagern sind: „Deshalb habe ich nach kurzer Zeit aufgelegt.“ Und das war genau richtig.

Denn ohne ein „Ja“ des Opfers funktioniert die Masche nicht. Am Telefon versuchen Betrüger ihre Opfer mit scheinbar belanglosen Fragen – etwa ob sie bei einem Gewinnspiel teilnehmen möchten – dazu zu bringen, einmal laut und deutlich „ja“ zu sagen. Die Täter zeichnen das Gespräch auf. Hinterher setzen sie es so geschickt zusammen, dass der Eindruck entsteht, als habe der Angerufene per Telefon einen Vertrag abgeschlossen und ein teures Produkt bestellt. Danach verschicken Sie eine Rechnung über Dinge, die die Opfer angeblich per telefonischem Vertrag bestellt haben.

Rita Bauermeister hat sich nicht an die Polizei gewandt: „Die Nummer des Anrufers war unterdrückt, und mir ist ja auch nichts passiert.“ Das ominöse Telefonat fand in einer Grauzone statt. „Aktuell haben wir keine Kenntnis über etwaige derartige Fälle im Bereich der Polizeiinspektion Celle. Im Jahr 2014 wurden zwei Fälle gemeldet“, sagt Polizeisprecherin Anne Hasselmann. Wer sich noch an ein Kinderspiel drauf habe, bei dem man weder „schwarz“, „weiß“, „ja“ oder „nein“ sagen dürfe, sie klar im Vorteil, so Hasselmann: „Man sollte immer im ganzen Satz antworten.“ Zum Beispiel: „Können Sie mich hören?“ mit „Ich höre Sie“. Zudem sollte man dem Anrufer in bestimmtem Tonfall zu verstehen geben, dass man kein Interesse habe: „Im Zweifel sollte man einfach auflegen.“

Grundsätzlich können Verträge auch per Telefon abgeschlossen werden. In Fällen wie bei Rita Bauermeister sei aber überhaupt kein Vertrag zustande gekommen, heißt es seitens der Verbraucherzentrale. Ohne wirksamen Vertrag bestehe auch keine Zahlungspflicht. Der Angerufene müsse also nicht zahlen. Sollten es die Telefongauner auf die Spitze treiben und vor Gericht gehen, müsste die Echtheit der Aufnahme bestritten und im Zweifel ein Sachverständiger hinzugezogen werden. Hasselmann: “Auf Zahlungen sollten Angerufene gar nicht eingehen. Falls es doch zu einer Vertragszusendung gekommen ist, besteht ein Rücktrittsrecht von einer Woche.“

Die gute Nachricht für Angerufene, die es mit Jawort-Abzockern zu tun hatten, sei laut Verbraucherzentrale: „Sollte Ihnen so etwas passieren, müssen Sie die Rechnung nicht zahlen. Sie sollten sie jedoch nicht einfach ignorieren, sondern sich dagegen wehren.“ Dazu könne man Musterbriefe kostenlos verwenden, die man im Internet unter www.verbraucherzentrale.de/telefonbetrug-mit-ja finde.