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Blaulicht Bewährung für Cellerin nach Beihilfe zu Drogendeals
Celle Blaulicht Bewährung für Cellerin nach Beihilfe zu Drogendeals
18:09 05.02.2015
Celle Stadt

Nach Aktenlage hatte die Mutter eines Kindes vor eineinhalb Jahren landkreisübergreifende Verkäufe von rund 860 Konsumeinheiten Marihuana und 80 Tabletten Ecstasy zum Gesamtpreis von knapp 4000 Euro begünstigt und war Anfang Dezember als Kontaktperson aufgeflogen. Für die Vermittlungstätigkeit soll sie von einem unbekannt gebliebenen Drogenbeschaffer 100 Euro erhalten haben. „Wären Sie schon früher überführt worden, gäbe es keine Bewährung“, sagte die Vorsitzende des Jugendschöffengerichts. Die Hafterfahrene war nämlich gerade mal drei Monate vor Tatbegehung wegen Diebstahls zu dreizehn Monaten Gefängnis verurteilt und die Strafaussetzung zur Bewährung für sechs Monate „auf Eis gelegt“ worden. „Sie hätten sich die Bewährung erarbeiten sollen, anstatt neue Straftaten zu begehen“, tadelte die Amtsrichterin. Da die Beihilfe nicht schwerer wiegt als die Käufe des rechtskräftig auf Bewährung verurteilten damaligen Drogenankäufers, wurde der bekennenden Nicht-Konsumentin unter Auflagenerteilung eine zweijährige Bewährung gewährt. Laut Jugendgerichtshelferin hat sie außerdem einen Job in Aussicht.

Nach Abschluss der Beweisaufnahme hatte die Staatsanwältin in Teilen zugunsten der Angeklagten plädiert. Demnach konnte ihr nicht nachgewiesen werden, von Umfang und Menge der verkauften Betäubungsmittel Kenntnis gehabt zu haben. Sie hatte angegeben, schriftlich die Anfrage von einer Freundin erhalten zu haben, ob sie Verkäufer kenne. Dann habe sie zwischen Lieferanten und Interessenten ein Treffen im Heesegebiet arrangiert, wovon sie nur mitbekommen habe, dass der ihr nur flüchtig bekannte Händler nicht alles dabei gehabt habe, so die Angeklagte. Von dem in der Anklage erwähnten Kokain zum Kaufpreis von 600 Euro will sie nichts gewusst haben. Denn im Rahmen einer Hausdurchsuchung Ende August 2013 waren beim Ankäufer erhebliche Restmengen von Drogen sichergestellt worden.

„Ich brauchte Geld und wollte mir ein Zubrot verdienen, gab die Sozialleistungsempfängerin zu Gerichtsprotokoll. Während sie sich zunächst geständig einließ, stellte sie im weiteren Prozessverlauf einzelne Geschehensabläufe in Abrede. Demnach will sie weder den Namen besagter Freundin noch den des Lieferanten gekannt haben. Der Ankäufer entlastete im Prozess die Angeklagte als bloße Mittlerin und dementierte ebenfalls die Kenntnis von Namen jeglicher Kontaktpersonen. Beide gaben zu Protokoll, im Nachhinein jeweils zu Hause „unangenehmen Besuch“ aus dem Drogenmilieu erhalten zu haben.

Von Anke Prause