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Blaulicht Bewährungsstrafe nach Verfolgungsjagd durch Celle
Celle Blaulicht Bewährungsstrafe nach Verfolgungsjagd durch Celle
17:17 16.09.2016
Celle Stadt

„Es war zwar keine Spontantat, Sie haben sich aber in einer ausweglosen Lage befunden“, sagte Richterin Silja Precht.

Der gelernte Briefträger fuhr Montag spätabends mit der Bahn nach Celle. Seit langer Zeit plagten ihn enorme Geldsorgen. Das Konto spuckte nur rote Zahlen aus, den neuen Job bei der Bundeswehr schmiss er kurz zuvor. In den Triftanlagen trank der Angeklagte Whisky und Bier. Die Blutuntersuchung ergab später zwei Promille. Kurz nach Mitternacht machte er sich auf den Weg zur Spielhalle am Bahnhof. Der Angeklagte stürmte mit Sturmhaube maskiert mit einem Messer bewaffnet ins Ladenlokal und schrie: „I know your name. I will kill you“ griff in die Kasse und entnahm 435 Euro. Ein Gast verriegelte die Tür. Von der Auseinandersetzung mit dem Räuber trug er leichte Schnittwunden an Armen und der Nase davon. Der Beschuldigte flüchtete. Mehrere Streifenwagen nahmen Fährte auf und entdeckten ihn nahe eines Sportvereins.

Als der junge Mann aus seinem Versteck kroch, entspannte sich die Lage. Doch plötzlich ging es zu wie in einem Actionkrimi. Gedankenlos lief der 22-Jährige auf einen Bahndamm und lieferte sich eine gefährliche Verfolgungsjagd, die über die Gleisanlagen der ICE-Strecke führte, wo gegen ein Uhr morgens reger Zugverkehr herrschte. Ein Polizist stolperte über eine Schiene und zog sich leichte Verletzungen zu. Ein Hubschrauber der Bundespolizei und Strafverfolger aus Soltau rückten an. Schließlich fanden Beamte den 22-Jährigen zusammengekauert unter einem Kesselwagen auf dem Gelände der Osthannoverschen Eisenbahn auf und nahmen ihn fest.

Vor Gericht legte der Angeklagte, dessen Führungszeugnis lediglich Verkehrsdelikte zieren, ein umfassendes Geständnis ab. „Ich kann mich einfach nur entschuldigen“, sagte er unter Tränen. Eine psychiatrische Sachverständige diagnostizierte eine depressive Episode. Der Alkoholkonsum des Angeklagten wurde vor Gericht ausführlich diskutiert. Doch eine Ärztin erklärte, dass keine Abhängigkeit vorliege. „Sie haben Unrecht begangen, sich dafür entschuldigt und aus Ihrem Fehler gelernt“, sagte Richterin Precht und erinnerte den Beschuldigten an die Mitarbeiterin der Spielhalle, die bis heute unter den Folgen des Überfalls leidet.

Von Benjamin Reimers