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Blaulicht Celler Apotheken-Räuber steht in Lüneburg vor Gericht
Celle Blaulicht Celler Apotheken-Räuber steht in Lüneburg vor Gericht
17:05 19.02.2015
Celle Stadt

LÜNEBURG. Der Taxifahrer konnte sich am ersten Prozesstag vor dem Lüneburger Landgericht noch gut erinnern, dass der Mann ihm auf der gut einstündigen Fahrt nach Uelzen allerhand aus seiner kriminellen Laufbahn erzählte und dabei die Tat in Soltau andeutete. Kaum war der redselige Senior am Uelzener Bahnhof ausgestiegen, erkundigte sich der Taxifahrer bei seiner Taxi-Zentrale, ob es einen Vorfall in Soltau gab. Schon kurz darauf suchten Polizeikräfte den Uelzener Bahnhof ab, und ein weiterer Taxifahrer gab den entscheidenden Hinweis, dass er einen Mann, auf den die Beschreibung passte, zu einer Gaststätte an der Lüneburger Straße gefahren hatte.

Für die Apothekerin war die Sache nicht so glimpflich ausgegangen. Noch heute leidet sie unter Belastungsstörungen. „Immer wieder sehe ich den Mann mit der Pistole vor mir“, erzählte sie der Vorsitzenden Richterin, wie er am Tattag am 24. Oktober 2014 in der Mittagszeit am Apotheken-Tresen mit der Waffe vor ihr herumfuchtelte, erst Morphin und dann Geld verlangte . „Weil ich ihm kein Morphium geben konnte, gab ich ihm das Geld“, erzählte sie, „ich hatte solche Angst und folgte seinen Anweisungen.“ Dann sperrte der Mann sie in einen kleinen Nebenraum und verschwand.

Laut Psychiater war der Angeklagte trotz seiner Alkoholisierung zur Tatzeit voll schuldfähig. Auch wenn er vor Jahrzehnten mit Delikten aufgefallen sei, habe er nun seit gut 30 Jahren unauffällig in der „Celler Subkultur“ gelebt, beschrieb der Psychiater ein „Leben auf einem niedrigen Niveau.“ Der Mann habe keine Familie gegründet, nie geheiratet, keine Kinder.

Am Tattag war der 64-Jährige mit dem Zug aus Celle nach Soltau gefahren, weil er seinen Bruder in Bispingen besuchen wollte und wartete auf den Anschlussbus, als ihm die geöffnete Tür der Apotheke ins Auge fiel. „Die Waffe trage ich seit Jahren immer bei mir“, erzählt der grauhaarige, hagere Mann auf der Anklagebank. Er wisse auch nicht mehr, wer ihm die gegeben habe.

Wegen räuberischer Erpressung und versuchter räuberischer Erpressung in Tateinheit mit Freiheitsberaubung forderte die Staatsanwaltschaft fünf Jahre Freiheitsstrafe. Sein Verteidiger plädierte, mit der Strafe unter drei Jahren zu bleiben, weil sein Mandant die Tat wirklich bereue, geständig und nicht einschlägig vorbestraft sei.

Von Angelika Jansen