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Blaulicht Celler Firma Treppenbau Reimchen „platt gemacht“
Celle Blaulicht Celler Firma Treppenbau Reimchen „platt gemacht“
21:08 16.10.2015
Von Michael Ende
Steffanie Reimchen steht vor einem Trümmerhaufen. Für die ordnungsgemäße Entsorgung allein des Bauschutt-Berges hat das Amtsgericht 48.000 Euro veranschlagt. Quelle: Benjamin Westhoff
Groß Hehlen

GROSS HEHLEN. Für Olaf Reimchen war der 4. August ein schwarzer Tag. Es war der Tag, an dem der Geschäftsmann nach eigenem Empfinden zu Unrecht „kriminalisiert“ wurde. „Damals rauschten hier 30 Polizisten an und stellten bei uns alles auf den Kopf. Sogar Drohnen und Bagger haben sie benutzt, um irgendetwas zu suchen, was sie dann nicht gefunden haben“, sagt Reimchen, dem das Gelände an der Scheuener Straße gehört, auf dem sich bis vor kurzem die Treppenbau Reimchen GmbH befand. Ende September hat diese Firma Insolvenz angemeldet.

Als Geschäftsführerin der GmbH war Reimchens Frau Steffanie eingetragen. Diese Arbeitsteilung nahmen die Behörden der Chefin nicht ab, denn ihr Mann war bis Mitte 2011 Geschäftsführer und dann Liquidator des Vorgänger-Betriebes, des Betonwerks Groß Hehlen. So war laut des der CZ vorliegenden Durchsuchungsbeschlusses des Celler Amtsgerichts Olaf Reimchen „faktischer Geschäftsführer“ der Treppenbau-GmbH. Er bestreitet dies: „Ich bin Angestellter meiner Frau.“

Knapp sieben Stunden lang hätten die Beamten Anfang August das Gelände durchsucht, sagt Reimchen. Laut Durchsuchungsbeschluss warf man ihm vor, seit Jahren unerlaubt Bauschutt mit einem Volumen von mindestens 9600 Kubikmetern unerlaubt auf seinem Gelände gelagert zu haben, obwohl dort der Betrieb einer Abfallentsorgungsanlage nicht genehmigt sei. Außerdem, so der Vorwurf, habe Reimchen, gefährliche Abwässer aus seinem Betrieb einfach in eine Mulde auf seinem Gelände laufen lassen.

Das mit den Abwässern stimme, sagt Reimchen – bis auf den Umstand, dass sie umweltbelastend seien: „Das machen wir schon immer so. Wir brauchen pro Tag 80.000 Liter Wasser, um die Sägen zu kühlen, mit denen wir Stein schneiden. Dem Wasser werden zwar Sachen zugesetzt – aber die sind alle natürlich. Überhaupt kein Problem.“ Der Schuttberg hätte ohnehin demnächst entsorgt werden sollen, sagt Steffanie Reimchen. Für die ordnungsgemäße Entsorgung allein des Bauschutt-Berges hat das Amtsgericht 48.000 Euro veranschlagt. „Das Geld wollten sie sich bei mir holen, obwohl ich doch nichts mit der Firma zu tun habe“, beschwert sich ihr Mann: „Sie haben Geld von meinem Konto gepfändet, mir meine Harley Davidson und meine Goldmünzen weggenommen.“ Jetzt müsse er vielleicht Privatinsolvenz anmelden, sagt Reimchen, dem nach eigenen Angaben noch die Restaurants „Troja“ und "Essenszeit“ sowie acht Privathäuser plus ein Wohnhaus auf seinem Firmengelände gehören: „Ich habe 1,5 bis 1,8 Millionen Euro in meine Immobilien investiert – die werde ich nun nicht mehr halten können.“

Steffanie Reimchen sagt, dass die Durchsuchung der Firma „das Genick gebrochen“ habe. „Das war Rufmord: Kunden, die das gesehen haben, sind abgesprungen, wir sind erledigt. Es kursieren sogar Gerüchte, denen zufolge wir hier Drogen oder Leichen verbuddelt hätten.“ Olaf Reimchen glaubt, dass er „zu viele Feinde“ habe – unter anderem die Stadt Celle, die sein 19.000 Quadratmeter großes Areal als Bauland „eigentlich“ kaufen wolle, aber nicht bereit sei, dafür einen „anständigen Preis“ zu zahlen: „Man hat mir ein Tauschgrundstück im Wietzenbrucher Gewerbegebiet angeboten, aber bei einer solchen Aktion würde ich drei Millionen Miese machen.“ Reimchen vermutet, dass man ihn unter anderem "aus Rache“ nun „fertig machen“ wolle.

Die Stadt Celle will sich zu möglichen Verhandlungen über einen Immobilien-Deal nicht äußern. „Liegenschaftliche Angelegenheiten werden seitens der Stadtverwaltung grundsätzlich vertraulich behandelt“, so die städtische Pressesprecherin Myriam Meißner. Sie bestätigt lediglich, dass bei der Durchsuchung Anfang August auch Vertreter der Unteren Wasserbehörde der Stadtverwaltung und des Abfallzweckverbandes vor Ort gewesen seien: „Anlass war der Verdacht auf illegale Abwasser- und Abfallbeseitigung. Am 1. September gab es einen weiteren Ortstermin. Dabei erklärten die Firmeninhaber, dass sie den Betrieb einstellen würden.“

„Nichts haben die bei uns gefunden – gar nichts“, beteuert Reimchen, der sich darüber beschwert, dass ihn der Celler Oberstaatsanwalt Witold Franke angeblich als „Kriminellen“ bezeichnet habe. Frankes Aufgabe ist es, gegen mögliche Kriminelle zu ermitteln. Der Staatsanwalt sagt: „Wir haben etwas gefunden - wenn auch nicht in den Mengen, die wir aufgrund einer anonymen Anzeige befürchtet hatten.“ Der mit Plastik durchsetzte Bauschutt müsse entsorgt werden, so Franke. Der Boden im Bereich der Sickergrube sei stark belastet: „Ersten Erkenntnissen zufolge ist das Erdreich unter anderem mit Kupfer und Kohlenwasserstoffen durchsetzt. Genauere Analysen stehen noch aus."

Wie es nun weitergeht, wissen die Reimchens nicht genau. „Ich habe immer einen Plan B“, sagt Olaf Reimchen. Genau diesen Plan glaubt die Staatsanwaltschaft zu kennen. In einem Schreiben, das das Amtsgericht Celle in einem Ermittlungsverfahren wegen Vermögensabschöpfung ausgestellt hat und das der CZ ebenfalls vorliegt, heißt es, Olaf Reimchen habe gegenüber der Polizei in einer Vernehmung in einer anderen Sache die Absicht geäußert, in Kürze nach Spanien ziehen zu wollen. Man könne annehmen, dass er kurzfristig Geld ins Ausland transferieren könne, so das Amtsgericht. Olaf Reimchen glaubt das nicht: „Unser Geld reicht höchstens noch ein paar Wochen.“