Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Blaulicht Celler OLG: Immer öfter Streit um Kinder
Celle Blaulicht Celler OLG: Immer öfter Streit um Kinder
20:45 24.03.2015
Von Gunther Meinrenken
    Bernd Jarzyk, Präsident Peter Götz von Olenhusen, Antje Pommerien und Bernd Rohde präsentieren den Jahresbericht des Celler Oberlandesgerichts. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Nur 500 Meter leben die Eltern des achtjährigen Markus (Name geändert) nach der Trennung voneinander entfernt. Um die Erziehung des Jungen gibt es ständig Streit. Das Kind leidet sehr darunter, "befindet sich in einem quälenden Loyalitätskonflikt". Die Eltern ziehen vor Gericht, wollen beide das Aufenthaltsbestimmungsrecht für den Jungen, der abwechselnd eine Woche bei der Mutter und eine beim Vater lebt. Das Amtsgericht lehnt beide Anträge ab. Die Mutter zieht vor das Celler Oberlandesgericht (OLG). Hier einigen sich beide Elternteile schließlich in einem Güterichterverfahren auf ein großzügiges Umgangsrecht für beide.

Dies ist nur einer von vielen Fällen, mit denen sich die sieben Familiensenate des OLG beschäftigen müssen. Die 25 Richter beobachten dabei eine besorgniserrende Entwicklung. "Verfahren um den Unterhalt gehen zurück. Auf der anderen Seite stiegen die erledigten Verfahren, in denen ein Streit um die Belange der Kinder geführt wird, deutlich an. Der Streit um das Kind rückt damit immer mehr in den Vordergrund", berichtete Vorsitzende Richterin Antje Pommerien gestern bei der Vorstellung des OLG-Jahresberichts 2014. Es gebe Fälle, da werde um eine Stunde Umgangsrecht gestritten.

OLG-Präsident Peter Götz von Olenhusen hatte zu Beginn die Zahlen und Daten des abgelaufenen Jahres näher erläutert. So bewegten sich die Eingangszahlen konstant auf einem hohen Niveau. Die Zivilsachen stellen den größten Anteil, auch wenn sie im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent gesunken seien (2014: 2498, 2013: 2626). Die Strafverfahren verzeichneten stabile Eingangszahlen (1876 in 2014 im Vergleich zu 1868 im Jahr 2013). "Anders stellt sich die Situation bei den Familienverfahren dar. Hier sind die Eingangszahlen im Vergleich zum Vorjahr mit 2,8 Prozent leicht angestiegen", teilte Götz von Olenhusen mit.

Im Zusammenhang mit den Familienverfahren haben die Celler Richter sich noch mit einer anderen Änderung auseinanderzusetzen, wie Pommerien berichtete. So habe das Bundesverfassungsgericht jüngst den hohen verfassungsrechtlichen Schutz der Familie besonders betont. Das heißt: Der Entzug des Sorgerechts ist so ohne weiteres nicht möglich.

"Um eine Trennung des Kindes von den Eltern zu rechtfertigen, muss das elterliche Fehlverhalten vielmehr ein solches Ausmaß erreichen, dass das Kind bei einem Verbleiben in der Familie in seinem körperlichen, geistigen oder seelischen Wohl nachhaltig gefährdet sei", sagte Pommerien. Doch das sei nur schwer zu belegen. Außerdem müssten alle Hilfen für die Eltern ausgeschöpft sein, was für das Gericht nur schwer zu überprüfen sei. "Wir bewegen uns hier in einem ganz schwierigen Spannungsfeld", sagte Pommerien.

Götz von Olenhusen hatte wiederum erfreuliche Nachrichten. "Das OLG Celle gehört bei den Erledigungszeiten in Zivilsachen im Bundesdurchschnitt wie auch schon in den vergangenen Jahren zur Spitzengruppe", betonte der OLG-Präsident. Mit durchschnittlich fünf Monaten läge die Verfahrensdauer wieder auf dem Niveau von 2011.

Zunehmend würden die Streitparteien vom Güterichterverfahren Gebrauch machen. 2014 sei dies bei fast 1100 Gerichtsverfahren der Fall gewesen. "Erfreulich ist die seit Jahren hohe Erfolgsquote von etwa 75 Prozent", stellte Götz von Olenhusen heraus.