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Blaulicht Celler Piloten unter Laser-Beschuss
Celle Blaulicht Celler Piloten unter Laser-Beschuss
17:19 05.02.2015
Von Michael Ende
Informationveranstaltung Fluglärm / Ausbildung Flugplatz Wietzenbruch Quelle: Peter Müller (Archiv)
Celle Stadt

Von der Steinzeit in die Zukunft: Als deutsche Bundeswehr-Heeresflieger 1993 im Rahmen der UN-Operation UNOSOM in Somalia als Blauhelme Einsätze flogen, wurden sie unter anderem von örtlichen Viehhirten mit Steinschleudern beschossen. Das schepperte nicht nur tüchtig, sondern einzelne Projektile durchschlugen sogar die Bodenplatten der Bundeswehr-Helikopter. Heute müssen Celler Piloten des Heeresfliegerausbildungszentrums C einer ganz anderen Gefahr ins Auge blicken: Immer wieder werden sie mit Laserstrahlen attackiert. Die dazu gehörige „Waffe“, nämlich ein Hochleistungs-Laserpointer, wird im Internet-Handel angeboten - mit dem perfiden Hinweis, sie bitteschön nicht auf Luftfahrzeuge zu richten.

„Laserblendung ist kein Kavaliersdelikt“, sagt Hauptmann Olaf Langanki, Presseoffizier des Wietzenbrucher Heeresfliegerausbildungszentrums C. Im Rahmen der Nachtflugausbildung sei es in der vergangenen Woche wieder zu Blend-Angriffen gekommen, die die Hubschrauberbesatzungen in ihrer Flugführung erheblich beeinträchtigten.

Der erfahrene Fluglehrer Langanki hat schon so ziemlich alles erlebt, was man mit einem Helikopter erleben kann. Er weiß aus eigener Erfahrung, wie eine Laser-Attacke einen Piloten trifft: „Bei einem Nachtflug ist es nahezu dunkel im Cockpit. Nur die Instrumente werden ganz schwach beleuchtet. Trifft ein Laserstrahl auf die Scheibe des Hubschraubers, kommt es plötzlich zu einer gefährlichen Überstrahlung. Der Pilot wird sekundenlang geblendet und sieht sogar Nachbilder. In diesem Zeitraum, der länger als zehn Sekunden anhalten kann, ist es unmöglich, die Instrumente abzulesen oder aber bestimmte Flugmanöver sicher durchzuführen.“ Sollte sich der Pilot etwa gerade im Landeanflug befinden, wenn der Nachtflug zum Blindflug werde, könne das Ganze schnell fatale Folgen haben.

Sollte darüber hinaus der Laserstrahl genau das Auge des Piloten treffen, könne dies auch ohne Absturz zu erheblichen gesundheitlichen Problemen führen, weiß Langanki: „Ich musste auch schon einmal einen Flugschüler, der während eine Tagfluges von einem Laser geblendet wurde, aus dem Ausbildungsflug direkt ins Krankenhaus fliegen. Zum Glück hat er sein Augenlicht behalten.“

Laserblendungen, die sich übrigens sehr genau lokalisieren ließen, würden direkt über Funk gemeldet und an die örtliche Polizeidienststelle weitergeleitet, so Langanki: „Die Chance, die Verursacher in der Folge zu ermitteln, ist hoch, denn die alarmierte Polizei setzt zur Ermittlung der Täter auch Wärmebildkameras ein. Jede gemeldete Laserattacke wird automatisch zu einer Anzeige gegen Unbekannt und somit auch strafrechtlich verfolgt.“ Auf Täter warteten Bußgelder von bis zu 50.000 Euro oder Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.

Im Jahr 2013 habe es zwei angezeigte Fälle wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Bahn-, Schiffs- und Luftverkehr gegeben, so der Celler Polizeisprecher Guido Koch: „In beiden Fällen konnte kein Tatverdächtiger ermittelt werden.“ Aktuellere Zahlen lägen noch nicht vor.

„Uns wurden im Jahr 2014 insgesamt 303 Laser-Attacken auf Luftfahrzeuge deutscher Luftfahrtunternehmen gemeldet. 186 davon ereigneten sich in Deutschland. Davon waren wiederum in 27 Fällen Hubschrauber betroffen“, so Cornelia Cramer, Pressesprecherin des Luftfahrt-Bundesamts, das lediglich Daten für die zivile Luftfahrt hat. Cramer verweist auf eine gesetzliche Regelung, der zufolge Flugplätze besonders geschützt sind: „In einem Ring von 1,5 Kilometern um Flugplätze herum ist die Nutzung von Scheinwerfern oder optischen Lichtsignalgeräten, insbesondere Lasergeräten, verboten.“

Michael Ende