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Blaulicht Celler muss für fünf Jahre hinter Gitter
Celle Blaulicht Celler muss für fünf Jahre hinter Gitter
15:49 17.03.2017
Celle-Neuenhäusen

Der Vorsitzende Richter Franz Kompisch ist sich im Klaren darüber, dass die Justiz die Wahrheit nie gänzlich herausfinden kann: „Natürlich werden wir hier nicht hinter die tatsächlichen Umstände der Verbindungen und Verflechtungen der Tat kommen. Es ist hochgefährlich eine Waffe in der Innenstadt einzusetzen. Das darf die Rechtsordnung nicht bagatellisieren.“ Das Schwurgericht hatte eine Straftat juristisch aufzuklären, die Facetten einer Milieuauseinandersetzung aufwies.

Alles begann in den frühen Morgenstunden des 4. September vorigen Jahres mit einem Streitgespräch zweier Männer an der Breiten Straße. Die Lage entspannte sich schnell. Es sah nach einem harmlosen Wortgefecht von Partygängern aus. Schnell kehrte Ruhe ein. Doch in dem 21-Jährigen brodelte es, für ihn war der Konflikt noch nicht zu Ende.

Aus einem Versteck holte er eine scharfe Neun-Millimeter-Schusswaffe hervor und kehrte in die Breite Straße zurück. Ein Besucher eines Lokals lotste das spätere Opfer in den Eingangsbereich. Die Kontrahenten gingen in eine schlecht beleuchtete Seitenstraße, wenig später hallte ein Schuss durch die Gassen. Der getroffene 40-Jährige erlitt laut Richter Kompisch „einen sauberen Durchschuss, der knapp an der Hauptschlagader des Beines vorbeischrammte“.

Ein Tötungsvorsatz ließ sich während der mehrtägigen Hauptverhandlung nicht feststellen. Strafverteidiger Raban Funk stempelte die zahlreichen Zeugenaussagen als „höchst fragwürdig“ ab. Der Anwalt brachte einen 22-Jährigen als möglichen Schützen ins Spiel. Sein Mandant und der Schrotthändler wiesen eine identische Körperstatur auf, meinte er. Über die Anzahl der Schüsse gibt es sich widersprechende Aussagen: Zeugen berichteten von einem Knallgeräusch, das Opfer sprach dagegen von drei Mündungsfeuern, die es gesehen habe. Die Kripo fand nur ein Projektil.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Während die Staatsanwältin fünfeinhalb Jahre Gefängnis forderte, beantragte der Verteidiger „Freispruch“.

Von Benjamin Reimers