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Blaulicht Ehemaliger Celler Masseur kommt in Psychiatrie
Celle Blaulicht Ehemaliger Celler Masseur kommt in Psychiatrie
16:09 02.02.2014
Celle Stadt

Seit einem Unfall im Jahr 2007 – so hatten Zeugen ausgesagt – hatte sich das Wesen des Mannes, der bis zu seinem Ruhestand völlig unauffällig eine Massagepraxis in Wietzenbruch und in Hambühren geführt hatte, mit starken Neigungen zu aggressiven Wutausbrüchen erheblich verändert.

„Die Unrechtseinsicht ist zwar vorhanden“, begründete der Vorsitzende der 4. Großen Strafkammer Franz Kompisch die Feststellungen zur Schuldunfähigkeit, „aber seine Steuerungsfähigkeit ist erheblich beeinträchtigt.“ Nur sehr schwer lasse sich der Beschuldigte von seiner Überzeugung abbringen, dass sich alle von ihm abgewendet hätten, ihn um sein Geld und Vermögen betrügen und ihn hintergehen wollten.

Unter diesem „Leidens- und Handlungsdruck“, so hatte es der psychiatrische Sachverständige beschrieben, hatte der Mann im Rahmen einer Auseinandersetzung mit seiner geschiedenen Frau, deren Tochter in ihrem Kindermodengeschäft aufgesucht und versucht ihr eine Flasche über den Kopf zu schlagen. Damit sie ihn nicht sofort erkennt, hatte sich der Mann eine Perücke auf den Kopf gesetzt. So ließ die Stieftochter, die sich ebenso wie die Mutter schon häufiger von dem Mann bedroht sah, ihn ohne Argwohn bis zur Ladentheke kommen, wo er dann ausholte, um ihr die Flasche auf den Kopf zu schlagen. Nur weil der erste Schlag daneben ging, war es der 51-Jährigen gelungen, in das Nachbar-Geschäft und dann in die oberen Räume des Geschäftshauses in der Celler Innenstadt zu flüchten. Erst die von den Nachbarn herbeigerufenen Polizisten stoppten den Mann.

Am ersten Prozesstag beklagte sich dieser, dass er seit sieben Monaten in Untersuchungshaft gesessen habe, betete vor Beginn der Hauptverhandlung das Glaubensbekenntnis herunter und flehte „lieber Gott, bestrafe alle, die hier im Strafprozess lügen. Wenn ich wieder in Hambühren bin, komme ich wieder jeden Sonntag in die Kirche.“ Dazu wird es jedoch vorerst nicht kommen.

Der Mann hatte bei einem Treppensturz 2007 Kopfverletzungen erlitten. Auf dieses Schädelhirntrauma sei laut des psychiatrischen Gutachtens das inzwischen bestehende hirnorganische Psychosyndrom sowie eine damit einhergehende fortschreitende demenzielle Entwicklung zurück zu führen, die das Verhalten des Mannes für sein Umfeld unberechenbar machen. Heilung sei für diesen Zustand nicht in Sicht, hieß es in der Begründung der Entscheidung.

Von Angelika Jansen