Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Blaulicht Ein Jahr und acht Monate auf Bewährung für Celler Drogenhändlerin
Celle Blaulicht Ein Jahr und acht Monate auf Bewährung für Celler Drogenhändlerin
10:38 23.06.2016
Quelle: Daniel Karmann
Lüneburg

„Die Vorwürfe treffen zu. Ich habe es für möglich gehalten, dass sie unter 18 Jahre sein könnten“, sagte die Angeklagte. Nachdem die Polizei bei der Hausdurchsuchung rund 90 Gramm Marihuana sicherstellte, ermittelten die Beamten, dass sie über Bekannte an das Rauschgift kam, es war für sie eine Art Notgroschen. Ihre Einlassung war von purer Verzweiflung geprägt. Wegen schlechter Auftragslage verlor die Lageristin ihren Job in Lehrte. Ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich rapide. Die Schmerzen einer chronischen Erkrankung ließen sich mit dem Konsum von Cannabis erträglicher gestalten. Die Idee, Drogen gewinnbringend zu verkaufen, entwickelte sich spontan, der Wunsch nach einem besseren Leben überwog alles. Der Gewinn aus den illegalen Geschäften fiel mit 300 Euro mickrig aus. Die Kunden nahmen telefonisch Kontakt mit der 23-Jährigen auf. Die Treffen liefen konspirativ ab. An verschiedenen Orten in der Celler Innenstadt wechselte der Stoff den Besitzer.

Schockierende Details aus dem Lebenslauf der Angeklagten reichten, um die Beweisaufnahme zu schließen: In Hamburg geboren, im Stadtteil Osdorf aufgewachsen. Der leibliche Vater lebt seit vielen Jahren im Ausland, kümmerte sich nie um seine Tochter. Als ein Mann aus der kriminellen Szene die Mutter unter Druck setzte, verließ die Familie Hals über Kopf die Hansestadt und zog vor vier Jahren zu Verwandten in die Südheide.

Die Staatsanwältin beantragte eine Bewährungsstrafe von 22 Monaten. Der Verteidiger betonte, dass seine Mandantin eine geringe Strafe verdiene, da sie „Reue und Einsicht“ zeige. Richter Thomas Wolter verkündete das Urteil von einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung und fand drastische Worte für die Angeklagte: „Wenn wir Sie wiedersehen, dann gehen Sie in den Knast. Trennen Sie sich von denen, als wenn Dracula persönlich vor Ihnen stünde“. Wolter ergänzte: „Diese Droge nimmt einem die persönliche Freiheit und löst schwere gesundheitliche Schäden aus.“ Als sich die Anspannung löste, sagte die 23-Jährige: „ich rühre das Zeug nie wieder an.“

Von Benjamin Reimers