Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Blaulicht Eisermann-Prozess: Angeklagter erinnert sich nicht an Bluttat
Celle Blaulicht Eisermann-Prozess: Angeklagter erinnert sich nicht an Bluttat
15:37 20.09.2013
Celle Stadt

Der zweifache Familienvater, der den Lebensunterhalt seiner Familie seit seinem 18. Lebensjahr mit dem Betrieb mehrerer Karussells, Imbisswagen und einem Riesenrad bestritt, ist bislang nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Der Bundeszentralregister-Auszug weist keine Eintragungen auf, bestätigte der Vorsitzende Franz Kompisch. Keine Drogen, mäßig Alkohol - „immer mal, wenn es in der Familie etwas zu feiern“ gebe. So habe der Angeklagte auch in der Tatnacht ein Taxi gerufen, weil er beim Besuch seines Cousins schon etwas getrunken hatte und sich daher nicht mehr selbst ans Steuer setzen wollte. Der Taxifahrer fuhr ihn zu einer Bar in Eicklingen, wo er dann auf den Sohn des Opfers traf, der ihn anpöbelt haben soll. Seiner Familie „gehöre ganz Celle“, dagegen sei er ein „asozialer Schausteller“, soll der 32-jährige Sohn des Opfers, der mit einem Freund an der Theke saß, gesagt haben.

„Das wollte ich mir nicht anhören“, hatte der Angeklagte gegenüber dem Psychiater zugegeben. Doch als er das Gasthaus verlassen hatte, sei der Sohn mit dem Auto auf den Mann losgefahren. Für diesen „Eingriff in den Straßenverkehr“ war der Sohn des Opfers vom Celler Amtsgericht rechtskräftig verurteilt worden. „Dann muss ich mich entschlossen haben, dem Vater mal Bescheid zu sagen, dass er seinen Sohn zur Ordnung rufen soll“, zitiert der Sachverständige aus dem Gespräch mit dem Angeklagten. Es täte ihm leid, dass er vor dem Haus des Vaters randaliert habe. An alles, was in dieser Nacht weiterhin geschehen sein soll, könne er sich nicht erinnern. So könne er sich auch nicht erinnern, auf die Polizeiwache abgeführt worden zu sein, geschweige denn in dieser Nacht ein zweites Mal zum Grundstück von Benno Eisermann gefahren zu sein.

Der Ermittlungsführer der Celler Polizei hatte am Tag zuvor beschrieben, wie er einige Tage nach der Gewalttat eine Testfahrt von der Jägerstraße zum Eisermann-Bungalow unternommen hatte. An einem Sonntagnachmittag benötigten die Beamten etwa fünf Minuten für die Strecke. Für die Frage, ob es dem Angeklagten möglich gewesen wäre, von seiner Freilassung um kurz vor 4 Uhr bis zum ersten Notruf der Familie Eisermann um kurz nach 4 Uhr so gehandelt zu haben, wie es die Staatsanwaltschaft dem Mann vorwirft, seien keine eindeutigen Schlüsse zu ziehen. Dem psychiatrischen Gutachter hatte der Angeklagte berichtet, dass er an den Zeitraum nach der Festnahme keine Erinnerung habe. Sie setze erst wieder nach der Operation im Meller Krankenhaus wieder ein, wo Chirurgen seinen schwerverletzten Arm wieder „zusammen geflickt“ hatten.

Von Angelika Jansen