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Blaulicht Eisermann-Prozess: Weitere Termine bis Dezember
Celle Blaulicht Eisermann-Prozess: Weitere Termine bis Dezember
16:53 25.09.2013
Celle Stadt

Der psychiatrische Sachverständige Reiner Friedrich hat unterdessen seine seinen Ausführungen beendet. Nebenklagevertreter Matthias Doehring war mit dem Ergebnis nicht ganz zufrieden. Denn Friedrich konnte nicht zweifellos bestätigen, dass der Angeklagte mit einem berechneten Blutalkoholwert von über zwei Promille in der Lage gewesen sein könnte, innerhalb von zehn Minuten zehn Schläger mit zwei Fahrzeugen zu mobilisieren, die dann mit ihm in das Wohnhaus des Opfers eindringen sollten.

„Eine logistische Höchstleistung, die mitten in der Nacht mehrere gezielte Telefonate in kürzester Zeit erfordert hätte“, so der Psychiater. Und das von einem Mann, der zwanzig Minuten zuvor alkoholbedingt nicht einmal in der Lage gewesen war, einen zusammenhängenden Satz hervorzubringen, geschweige denn über einen Zaun zu klettern.

Während Doehring an den zur Berechnung des Blutalkoholwertes herangezogenen Angaben zur Menge des Alkoholgenusses zweifelt, stützt sich Friedrich auf die unzweifelhaften Angaben der Polizeibeamten, die den Angeklagten zur Wache gefahren hatten. Außerdem spricht der Psychiater – „unterstellt das Geschehen hat sich so abgespielt, wie die Staatsanwaltschaft es dem Angeklagten vorwirft“ – von einem „Wechsel der Motivlage“.

Als der Angeklagte das erste Mal zu Eisermanns Wohnhaus fuhr, war er über den vorangegangenen Angriff des Sohnes Eisermann verärgert. Beim zweiten Besuch, so das Opfer, habe der Angeklagte sich rächen wollen, weil Benno Eisermann den Ruhestörer eine halbe Stunde vorher von der Polizei hat abführen lassen. Denn Eisermann behauptete, dass der Angeklagte ihm aus dem Polizeiauto heraus gedroht habe, wieder zu kommen. „Wenn wir so einen Satz gehört hätten“, versicherten die Polizeibeamtin jedoch, „hätten wir ihn nicht schon kurz darauf wieder laufen lassen.“

Die Frage, ob der Angeklagte alkoholbedingt in der Lage gewesen wäre, die Gefährlichkeit seines Tuns objektiv einzuschätzen, bleibt hingegen im Dunkeln. Dass der Angeklagte aufgrund des Alkoholkonsums noch geistig in der Lage gewesen sei, jemanden zu verletzen, bezweifelte Friedrich. Eine von der Person behauptete Amnesie würden die Sachverständigen grundsätzlich nicht in ihre Bewertungen einbeziehen, „weil es keine sichere Methode gibt, eine Amnesie zu verifizieren oder falsifizieren.“ Eine zumindest eingeschränkte Schuldfähigkeit sei daher nicht auszuschließen, so der psychiatrische Gutachter.

Von Angelika Jansen