Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Blaulicht Feuer in Westercelle: Freiheitsstrafe für 23 Jahre alten Celler
Celle Blaulicht Feuer in Westercelle: Freiheitsstrafe für 23 Jahre alten Celler
18:31 08.10.2015
Von Christoph Zimmer
Der entstandene Sachschaden an dem Gebäude, in dem der Mann selbst wohnte, betrug etwa 1,2 Millionen Euro. Quelle: Alex Sorokin (Archiv)
Celle Stadt

Nach dem Feuer in einem Mehrfamilienhaus im Mondhagen in Westercelle im Frühjahr ist ein Mann aus Celle wegen schwerer Brandstiftung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Wie das Amtsgericht in Celle am Donnerstag mitteilte, wird der 23 Jahre alte Angeklagte wegen einer Alkoholkrankheit in einer Entzugsanstalt untergebracht, um sich dort einer Therapie zu unterziehen. Bei dem Brand am 12. April hatten insgesamt 23 Bewohner ihr Zuhause verloren. Es wurde niemand verletzt. Der entstandene Sachschaden an dem Gebäude, in dem der Mann selbst wohnte, betrug etwa 1,2 Millionen Euro.

Der junge Mann hatte das Feuer aus Verärgerung über den Vermieter der Wohnung seines Vaters gelegt, der gegenüber dem Vater des Angeklagten rückständige Mieten geltend gemacht hatte. Nachbarn und Passanten hatten das Feuer in der Nacht bemerkt, die Bewohner geweckt und so ihr Leben gerettet. Bei den Ermittlungen stieß die Polizei auf den jungen Mann, der sich bei den Vernehmungen in Widersprüche verwickelte und schließlich ein Geständnis ablegte.

Als strafmildernd wertete das Schöffengericht nicht nur das Geständnis des jungen Mannes. Außerdem ging das Gericht in ihrem Urteil von einer eingeschränkten Steuerungsfähigkeit des Angeklagten aus, da er zum Zeitpunkt der Tat unter Alkoholeinfluss stand. Eine verminderte Schuldfähigkeit konnte daher nicht ausgeschlossen werden. Als der Mann das Feuer legte, lag laut Gericht eine leichte bis mittlere Alkoholisierung vor. In dem Verfahren attestierte der Sachverständige dem Mann einen Hang zum übermäßigen Alkoholkonsum. Hinzu kam, dass der Brandstifter unter einer Lernbehinderung leidet.

Die vom Gericht angeordnete Therapie kann der Mann in der Entzugsanstalt nicht von sich aus abbrechen. Während des Aufenthalts in der Einrichtung werden die Aussichten der Therapie immer wieder vom Gericht überprüft. Wehrt er sich dagegen und gefährdet so die Erfolgsaussichten, kann die Vollstreckung der Freiheitsstrafe in einem Gefängnis angeordnet werden.

Nach dem Feuer gab es eine große Hilfsbereitschaft für die Brandopfer. Nicht nur Freunde und Bekannte, sondern auch Bürger, Firmen und die Stadt engagierten sich stark für die Menschen, die in den Flammen alles verloren haben. Es wurden Geld und Spenden gesammelt und ein Benefizkonzert organisiert. Bei dem Konzert war auch der Angeklagte anwesend und präsentierte sich als Opfer des Feuers.

Nach dem Geständnis in seiner Vernehmung wurde der Celler am 4. Mai festgenommen und auf Antrag der Staatsanwaltschaft in Untersuchungshaft gebracht. Auch für zwei weitere Brände, bei denen im Februar dieses Jahres geringer Schaden am und im Haus entstand, soll der Mann verantwortlich gewesen sein.

Allerdings ist das Urteil noch nicht rechtskräftig. Bis zum Montag haben die Staatsanwaltschaft und der Angeklagte noch die Möglichkeit, einen Einspruch gegen das Urteil einzulegen.