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Blaulicht Frederike: Anwalt macht Verjährung geltend
Celle Blaulicht Frederike: Anwalt macht Verjährung geltend
18:25 19.05.2015
Von Simon Ziegler
Frederike von Möhlmann Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Hambühren

HAMBÜHREN. "Ich habe beantragt, die Klage abzuweisen", so Waldraff. Somit gibt es wohl keine Handhabe mehr, seinen Mandanten zu verurteilen.

Die damals 17-jährige Frederike von Möhlmann war 1981 bei Hambühren vergewaltigt und erstochen worden. Ismet H. wurde zunächst verurteilt, aber 1983 in letzter Instanz rechtskräftig freigesprochen. 2012 ergab eine in den 80er Jahren technisch noch nicht mögliche Untersuchung, dass eine in einer Damenbinde der Getöteten gefundene DNA-Spur mit Haaren von Ismet H. übereinstimmt. Der Vater Hans von Möhlmann versucht seitdem, den Tatverdächtigen wieder vor Gericht zu bringen und hat in Lüneburg Zivilklage eingereicht. Zivilrechtliche Ansprüche verjähren aber nach 30 Jahren. Ein neues Verfahren wäre nur möglich, wenn auf die Verjährungseinrede verzichtet wird – oder ein Geständnis vorliegt.

Waldraff wies darauf hin, dass sein Mandant vor 32 Jahren rechtskräftig freigesprochen wurde. "Dieser Freispruch hat Gültigkeit. Das müssen alle respektieren", sagte er. Die Zivilklage sei in voller Kenntnis der Verjährungsfristen gestellt worden. "Das eigentliche Ziel der Klage ist die soziale Ächtung meines Mandanten", sagte Waldraff. Gleichwohl könne er den Vater verstehen, der hofft, dass der Mord an seiner Tochter gesühnt wird.

Er sei auch offen für eine Änderung des Gesetzes, erklärte der Jurist aus Hannover. Möglicherweise tauge der Fall als Ausgangspunkt für eine Diskussion, ob das Prinzip der Rechtssicherheit, dass also ein Mensch wegen einer Sache nicht zweimal vor Gericht gestellt werden darf, in Ausnahmen aufgehoben werden kann. Ein neues Gesetz dürfe aber nicht für vergangene Fälle gelten.

Hans von Möhlmann hatte angekündigt, dass er vor dem Bundestag und dem Justizminister protestieren werde, sollte es keine neue juristische Aufarbeitung des Mordes geben.