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Blaulicht "Freispruch dritter Klasse" für Promi Rudolph am Celler Amtsgericht
Celle Blaulicht "Freispruch dritter Klasse" für Promi Rudolph am Celler Amtsgericht
18:04 02.02.2015
Celle Stadt

Das Verfahren wegen Nötigung am Amtsgericht Celle gegen den Schauspieler Claude-Oliver Rudolph ist gestern eingestellt worden. Darauf einigten sich die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung, nachdem Aussage gegen Aussage stand. Die Kosten des Verfahrens trägt die Landeskasse.

Dem 58-Jährigen wurden Nötigung und der Verstoß gegen das Landschaftsgesetz zur Last gelegt. Während seines Engagements am Celler Schlosstheater hatte Rudolph mit seinem Hund am späten Nachmittag einen Spaziergang durch die Maschwiesen gemacht. Auf dem Weg nach Altencelle hatte ihn in Höhe des Friedhofs ein Jäger gestoppt. Dieser machte ihn darauf aufmerksam, dass sein Labrador-Mischling Rehe gehetzt habe – beim nächsten Mal könne er ihn im Jagdgebiet erschießen. Laut Anklage soll Rudolph dem entgegnet haben: "Dann sind Sie der Nächste, der erschossen wird."

Der prominente Angeklagte stritt die Vorwürfe ab – und ebenso den deswegen ergangenen Strafbefehl über 450 Euro: "Das ist eine völlige Verdrehung der Tatsachen." Der Jäger habe ihn und seinen Hund bedroht. Dabei seien auch die Worte gefallen, dass er Glück habe, dass der Jäger den Fall nicht längst erledigt habe. Zudem will Rudolph kein Rehwild gesehen haben. Sein schwerer Hund habe außerdem gar nicht die Kondition, lange Rehen hinterher zu jagen.

Doch genau das will der Jäger von seinem Hochsitz aus mit seiner Büchse im Anschlag beobachtet haben. Laut seiner Aussage sei der Hund 20 Minuten hin und her gerannt und habe die Rehe aufgescheucht, die der 70-Jährige eigentlich schießen wollte. Der Senior stritt die Drohung ab, Hund und Herrchen erschießen zu wollen.

Da beide sich gegenseitig beschuldigten, beantragte der Staatsanwalt, das Verfahren einzustellen. Dem stimmte auch die Verteidigung zu. Rechtsanwalt Nikolaus Krebsbach-Noske äußerte sich nach der Verhandlung unzufrieden mit dem "Freispruch dritter Klasse. Das ist so, als ob das Ganze nicht passiert ist". Er und sein Mandant überlegen nun, verwaltungsrechtliche Schritte gegen den Jäger einzuleiten. "Es geht um die Frage, ob er in seinem Alter noch in der Lage ist, als Jäger eine Waffe tragen zu dürfen."

Von Dagny Rößler