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Blaulicht Freispruch nach Überfall auf Supermarkt in Hambühren
Celle Blaulicht Freispruch nach Überfall auf Supermarkt in Hambühren
16:42 21.10.2016
Hambühren

HAMBÜHREN. Dem 23-Jährigen Veranstaltungstechniker aus Peine legte die Staatsanwaltschaft schweren Raub und Körperverletzung zur Last. An Gründonnerstag vorigen Jahres stand er in Verdacht, gegen 20 Uhr einen Supermarkt in Hambühren überfallen zu haben. Mit elegantem Sakko und moderner Frisur wirkte der Mann wie jemand, der nach Feierabend noch eine schnelle Besorgung erledigt. Drei Kameras erfassten ihn beim Blick in Kühltheke und Konservenregale. In einem unbeobachteten Moment betrat er den Kassenraum, hielt der Marktleiterin eine Schusswaffe an den Kopf und schrie: „Gib mir die Scheine.“ Mit 17.000 Euro flüchtete er auf einem Fahrrad. Ein Angestellter des Supermarkts nahm die Verfolgung auf. Der Täter drehte sich zu seinem Verfolger um und gab ohne Vorwarnung einen Schuss ab. Der 40-Jährige blieb unverletzt, die Filialleiterin leidet bis heute unter den Folgen. „Mein Leben ist nicht mehr so wie es war. Ich schließe mich ein und habe immer schreckliche Träume“, sagte die 47-Jährige im Zeugenstand.

„Ich bin unschuldig“, gab der Angeklagte während des mehrwöchigen Prozesses mehrfach zu Protokoll. Die Vorgeschichte lässt daran zweifeln: Den 23-Jährigen verurteilte das Landgericht Hildesheim im Herbst 2015 zu einer viereinhalbjährigen Haftstrafe. Zusammen mit seinen beiden Komplizen überfiel er im Frühjahr 2015 kurz nacheinander im Kreis Peine zwei Supermärkte. Während der Beweisaufnahme im Lüneburger Verfahren lieferte der Tatverdächtige ein Alibi besonderer Art: Zur fraglichen Tatzeit bereitete er mit zwei Komplizen einen Raub am Ostersamstag in Stederdorf vor.

Im Laufe der Hauptverhandlung geriet ein Mann aus Bielefeld, der mehrere Jahre in Wietze lebte, ins Visier der Strafverfolger, der Räuber von Hambühren zu sein. Das Phantombild ähnelte dieser Person, die kürzlich spurlos verschwand. Die Beamten fanden heraus, dass das Handy des Angeklagten in den frühen Abendstunden des Gründonnerstag für eineinhalb Stunden ausgeschaltet war, danach wählte sich das Gerät ab halb neun Uhr abends in verschiedene Funktürme im Bereich der A2 bei Lehrte ein. Der 23-Jährige hätte demnach vom Tatort bis an seinen Wohnort in Hämelerwald nur 20 Minuten gebraucht. Die Polizei, die den Fluchtweg mit erhöhter Geschwindigkeit abfuhr, brauchte dafür mehr als eine halbe Stunde. /p>

Von Benjamin Reimers