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Blaulicht Gaffer setzen Celler Helfern zu
Celle Blaulicht Gaffer setzen Celler Helfern zu
18:06 18.08.2017
Von Dagny Siebke
Am 16.08.2017 fand im Hotel Schaperkrug in Altencelle eine EAK-Podiumsdiskussion zum Thema „Wie gefährlich sind Rettungseinsätze?“ statt. Im Bild: Kreisbrandmeister Volker Prüsse. Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

Kreisbrandmeister Volker Prüsse berichtete aus Erfahrung: Seine Kameraden rücken im Jahr zu 1000 Einsätzen im Landkreis Celle aus. Alkohol setze die Hemmschwelle herab, Einsatzkräfte anzugehen. "Jede Kraft zur Eigensicherung fehlt uns woanders", betont der Feuerwehrmann. Doch problematisch seien vor allem die Gaffer. "Die stellen uns die Wege zu und kosten uns Zeit", so Prüsse. Beim Hochwasser in Hildesheim musste kürzlich die komplette Innenstadt abgeriegelt werden. "Wegen des Kampfes um das beste Bild musste sogar eine Brücke evakuiert werden", erzählte Prüsse.

Rainer Taubenheim ist Sprecher der Celler Hilfsorganisationen. Bisher gibt es wenige Probleme bei den Ehrenamtlichen. "Die Meisten sind froh, dass wir da sind", so Taubenheim. Er beobachte aber, dass der Respekt abgenommen habe. "Das ist ein gesellschaftliches Problem in allen Bereichen."

Stefan Dannenberg von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sieht ebenso die Akzeptanz gegenüber dem Ehrenamt schwinden. Es werde gerne herübergepöbelt. Dannenberg fragte, ob nicht für ein besseres Verständnis mehr Aufklärungsarbeit nötig sei: "Wir sind zwar verpflichtet zu helfen, brauchen aber den Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein nie wieder auffrischen", gab Dannenberg zu bedenken.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Henning Otte nannte aber auch ein positives Beispiel der Anerkennung aus der Region: "Beim Schützenausmarsch haben die Berger applaudiert, als die Polizisten aus Hamburg vorbeifuhren." Gaffer würden von einer Geldstrafe nicht ausreichend abgeschreckt. Deswegen sprach sich der CDU-Kreisvorsitzende für die Möglichkeit aus, gegen Gaffer ein mehrmonatiges Fahrverbot zu verhängen.

DRK-Notfallsanitäter Olaf Oldenburger bestätigt, dass immer mehr Kleinigkeiten zusammenkommen. Als kürzlich ein BMW-Fahrer seinen Wagen bei Möbel Wallach vor den Baum setzte, hupten die Vorbeifahrenden, zeigten einen Vogel und johlten aus dem Fenster. Angesichts des Stellenabbaus bei der Polizei, ist der Sanitäter bei Schlägereien froh, über jeden Hinweis zur Vorwarnung. "Sonst sind wir garantiert zuerst da", so Oldenburger.

Auch die Nutzung von Bodycams wurde kurz diskutiert. Rechtsanwalt und Notar Ralf Schlottau findet die Kameras an Polizeiuniformen nur bei Großeinsätzen sinnvoll. Sonst seien die datenschutzrechtlichen Bedenken zu groß.