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Blaulicht Gericht will Verschwinden eines neunjährigen Cellers aufklären
Celle Blaulicht Gericht will Verschwinden eines neunjährigen Cellers aufklären
21:20 27.11.2014
Celle Stadt

Neben dem 46-Jährigen, der sich nicht nur wegen des Vorwurfs der Kindesentziehung, sondern auch wegen Diebstahls eines Handys verantworten musste, saßen noch ein 43-Jähriger und zwei Frauen im Alter von 73 und 31 Jahren auf der Anklagebank. Sie sollen den Kindesvater bei der Tat unterstützt haben.

Die Mutter des Jungen gab vor Gericht zu Protokoll, am Heiligabend bei der Vorbereitung des Essens das plötzliche Fehlen ihres Sohnes bemerkt zu haben. Er sei nach draußen gelaufen und nicht mehr wieder gekommen, hieß es. Da es in der Vergangenheit wiederholt vorgekommen sei, dass einzelne der gemeinsamen Kinder ohne Absprache verschwunden und später beim Noch-Ehemann aufgefunden worden seien, habe sie sich erst mal keine Sorgen gemacht, sagte die gelernte Pflegerin. „Der Junge ist nicht hier, sondern weggelaufen“, soll ihr der Hartz IV-Empfänger auf telefonische Nachfrage mitgeteilt haben. In weiterem Kontakt habe er die Herausgabe des Kindes am zweiten Weihnachtsfeiertag angekündigt. Diese sei jedoch fehlgeschlagen, so die Zeugin. Aus Angst vor dem Angeklagten habe sie nämlich einen Dritten zur Übergabe geschickt, welcher anstatt mit dem Jungen mit blauen Flecken zurück gekommen sei. Außerdem soll der Angeklagte die nach dem Jungen suchenden Polizeibeamten absichtlich auf falsche Fährten gelockt haben.

In dem Verfahren wurde auch eine Sozialarbeiterin des Celler Jugendamtes angehört. Deren Ausführungen zufolge waren seitens der Schule gegenüber der Polizei „extreme Verwahrlosungstendenzen“ des Kindes im Haushalt der Mutter geäußert worden. Außerdem werfe der Kindesvater seiner Noch-Ehefrau Gewalthandlungen gegen den Jungen durch ältere Geschwister vor.

Am 8. Januar war das vermisste Kind in der Wohnung einer der mit angeklagten Personen aus dem Freundeskreis des Vaters aufgefunden worden. Zeugenangaben zufolge hatte man den Jungen an verschiedenen Orten untergebracht, in Zimmern eingesperrt und ihm an Silvester Bier "zum Wachbleiben" gegeben. Die vier Angeklagten schwiegen zu den Vorwürfen. Demnächst sollen weitere Zeugen gehört werden.

Von Anke Prause