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Blaulicht Geständnis im Prozess nach Celler Krawallen
Celle Blaulicht Geständnis im Prozess nach Celler Krawallen
18:55 07.02.2015
Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

„Er bedauert zutiefst den Hinterkopf des Geschädigten getroffen zu haben“, zitiert der Verteidiger des Mannes, dem versuchter Totschlag und unerlaubter Waffenbesitz vorgeworfen wird, aus einer schriftlich abgefassten Erklärung. Danach gibt der Angeklagte zwar zu, den Mann mit einem Schlagstock getroffen zu haben, doch er habe „kein übergeordnetes Motiv“. Nur zufällig sei er unbeabsichtigt in die Auseinandersetzung hineingeraten, nachdem sich in Celle wie ein Lauffeuer herumgesprochen habe, dass sein Bruder von Landsleuten des Geschädigten verletzt worden sei. Er habe nur nach seinem Bruder sehen wollen, der sich in einem Café aufgehalten hatte, in das Jugendliche hineingerannt kamen, die erzählten, sie seien von Tschetschenen auf der Straße vor dem Café aufgehalten worden.

„Dann sind alle raus auf die Straße“, heißt es in der verlesenen Erklärung. Im Handgemenge, das sich ihm als Unbeteiligter auf der Fuhsestraße an der Ecke zur Kirchstraße bot, will der Angeklagte einem Jugendlichen den Schlagstock abgenommen haben, "damit dieser keine Fehler damit mache und sich nicht in Gefahr bringt". Außerdem habe er das Gefühl gehabt, sich selbst bewaffnen zu müssen, so der 31-Jährige.

Weitere Erklärungen auch zu dem weiteren Anklagepunkt des unerlaubten Waffenbesitzes - bei einer Hausdruchsuchung waren eine Pistole und Munition gefunden worden - wolle der Angeklagte nicht abgeben und auch keine Fragen beantworten, lässt sein Verteidiger, Rechtsanwalt Jürgen Ahrens aus Göttingen, die Kammer und die anderen Prozessbeteiligten wissen.

Während ein Celler Kommissar im weiteren Prozessverlauf die Videoaufnahmen kommentiert, die von Einsatzbeamten sowie Anwohnern während der Tumulte aufgenommen worden waren, regt sich mal auf der Anklagebank, mal am Tisch des Nebenklägers und seines Vertreters Unruhe. Auf Nachfragen des Richters kann sich der Zeuge nicht mehr an Einzelheiten erinnern, sondern behauptet ebenfalls, nur zufällig in die tumultartigen Auseinandersetzungen hineingeraten zu sein, was den Vorsitzenden Richter Thomas Wolter aufhorchen lässt, weil der Geschädigte gegenüber der Polizei andere Angaben gemacht hatte.

Der Nebenkläger hatte bei der Auseinandersetzung so schlimme Verletzungen erlitten, dass er bis heute arbeitsunfähig ist. „Ich bin seit dem Tag ein kranker Mann“, gibt er über eine Dolmetscherin zu Protokoll.

Verstärkte Sicherheitsmaßnahmen

Für den ersten Prozesstag hatte das Lüneburger Landgericht verstärkte Sicherheitsmaßnahmen angeordnet, um ausschließen zu können, dass es zu einer Begegnung wie seinerzeit im Oktober in Celle kommen könnte, so einer der drei Gerichtssprecher Volker König.

Von Angelica Jansen und Christopher Menge