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Blaulicht Kein Geld für Urne des Vaters: Celler Bestatter von Kundin bestohlen
Celle Blaulicht Kein Geld für Urne des Vaters: Celler Bestatter von Kundin bestohlen
16:30 26.01.2014
Westercelle

„Das ist alles so absurd“, sagt Bestatter Gunnar Grau kopfschüttelnd. Kurz zuvor hat die Kundin Eve H. mit zwei Komplizen gestern aus seinen Geschäftsräumen im Kiefernweg die Urne ihres verstorbenen Vaters gestohlen. Grau erstattete Anzeige.

Sein Unternehmen, GDS Bestattungen, ist spezialisiert auf alternative Bestattungen, dazu zählen See-, Wald- und Diamantbestattungen. Außerdem ermöglicht Grau es seinen Kunden, die Urne mit den sterblichen Überresten des Verstorbenen „auf unbestimmte Zeit“ mit nach Hause zu nehmen. Dies ist möglich, weil Grau rechtliche Schlupflöcher nutzt. „Niedersachsen hat mit die strengsten Bestattungsgesetze in Deutschland“, weiß Grau. Demnach muss eine Urne innerhalb von sechs Wochen beigesetzt werden. „Allerdings reicht den Behörden ein Friedhofsplatz als Nachweis für die Beisetzung.“ Diesen kauft sein Bestattungsunternehmen für die Angehörigen in der Schweiz, somit ist der Nachweis für die deutschen Behörden erbracht. Die Einäscherung erfolgt ganz regulär in Deutschland.

„In der Schweiz gilt die Urne als beigesetzt, sobald sie an die Angehörigen übergeben wird“, erläutert Grau. Kunden erhalten so die Möglichkeit, die Urne zu Hause aufzubewahren und im privaten Kreis zu trauern. Einer späteren Beisetzung steht nichts im Wege. Genau diese Form der Bestattung wählte auch Eve H. für ihren verstorbenen Vater. Aufgrund eines negativen Schufa-Eintrags bot Grau an, die Bestattung zwar zu übernehmen, allerdings nur gegen Vorkasse. Eve H. willigte ein.

Diese Woche rief die Angehörige bei dem Unternehmer an und sprach die persönliche Abholung der Urne mit ihm ab, da sie eine Trauerfeier für diesen Sonnabend geplant hätte. „Ich versprach, alles vorzubereiten und verlangte, dass sie einen Überweisungsnachweis mitbringt“, erinnert sich Grau. Für die Bestattung fielen rund 2100 Euro an. „Dann wollte die Kundin bar bezahlen, weil die Abholung so kurzfristig war“, berichtet Grau. Er stimmte zu, obwohl dies eine „unübliche Praxis“ war.

Gestern um kurz vor 11 Uhr kam Eve H. mit einem Mann zur Abholung in das Bestattungsunternehmen. Sie legte nur einen unvollständigen Geldbetrag vor und schickte ihren Begleiter hinaus, um das noch fehlende Geld zu holen. In der Zwischenzeit bereitete Grau eine Quittung vor. „Aus dem Augenwinkel habe ich noch mitbekommen, wie der Begleiter die Urne mitnahm, habe mir aber nichts dabei gedacht“, sagt Grau. Als er mit der Quittung zur Kundin zurückkehrte, kam plötzlich ein kräftiger Mann mit Bomberjacke hinzu, nahm die Quittung und den Teilbetrag an sich und sagte, dass sie nicht zahlen würden. Dann rannten Kundin und Begleiter aus dem Haus und fuhren davon. Grau verständigte die Polizei und erstattete Anzeige, die Beamten ermitteln nun wegen Betrugs.

Kurze Zeit später erhielt der 38-Jährige von der Diebin eine SMS, dass er die Polizei aus dem Spiel lassen solle und dass sie noch bezahlen werde. Die versuchte Einschüchterung lässt Grau nur schmunzeln: „Ich habe den vollständigen Namen und die Anschrift, der Diebstahl macht keinen Sinn.“

Von Amelie Thiemann