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Blaulicht Kurzer Prozess für Celler "Naturbäcker"
Celle Blaulicht Kurzer Prozess für Celler "Naturbäcker"
18:30 13.10.2016
Quelle: Michael Schäfer
Celle Stadt

Bevor es gestern für den Angeklagten schmutzig werden konnte, gestand Klaus-Peter Klinger zehn der elf Fälle für gewerbsmäßigen Betrug. Richter, Staatsanwalt und Verteidiger waren sich einig, keine Zeugen mehr befragen zu müssen. Genauso einmütig fiel das Urteil aus, das bereits rechtskräftig ist: zwei Jahre und neun Monate Gefängnis.

Wie redegewandt der gebürtige Radolfzeller sein kann, kam im Gerichtssaal nicht zum Ausdruck. Der Angeklagte sprach mitunter so leise, dass sogar das Tippen der Protokollantin lauter war. Die rund zehn Besucher verstanden kaum ein Wort. Sein Motiv: Er habe seinem Stiefsohn, einem Autisten, helfen wollen, die Bäckerlehre erfolgreich zu beenden. Da dessen Großeltern in Celle lebten, habe Klinger im Oktober mit 8000 Euro in der Tasche versucht, hier Fuß zu fassen. Er bestellte unter anderem Waren und Dienstleistungen, obwohl er wusste, dass er das Geld dafür nicht hat. Der Schaden: fast 70.000 Euro.

„Es ist doch auf den ersten Blick zu sehen, dass das nicht klappen kann“, betonte Richter Kranen. „Ich habe die Hoffnung gehabt, dass es dieses Mal gut gehen wird“, sagte der Angeklagte. Angesichts seiner einschlägigen Vorstrafen bleibt unklar, woher er diese Hoffnung nahm. Sein Register umfasst 17 Eintragungen, gefüllt mit unzähligen Betrugsfällen. Dafür saß er immer wieder hinter Gittern. Wenn er dann auf freiem Fuß war, versuchte er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser zu halten und machte sich mehrmals vergeblich selbstständig. Selbst als er im März den Haftbefehl erhielt, schaltete er noch Zeitungsanzeigen.

Im Gerichtssaal kommt es nicht häufig vor, dass ein Verteidiger zum Staatsanwalt sagt: „Das hätte auch mein Plädoyer sein können.“ Doch in diesem Fall waren sich die Beteiligten einig. Richter Kranen sagte abschließend zum Angeklagten: „Sie haben in Celle viel verbrannte Erde hinterlassen.“

Das machte auch die Reaktion einiger Geschädigter deutlich: "Das Urteil ist total lachhaft für das, was er vielen Familien angetan hat. Wir sind total geschockt, dass wir nicht zu Wort kommen konnten." Zuvor hieß es, dass er drei Angestellte beschäftigt habe. Doch Besucher sprachen sogar von sieben Mitarbeitern. Da diese nur einmal Lohn erhalten hätten, gingen sie zivilrechtlich gegen ihren früheren Chef vor. Er habe schnell ihr bester Freund sein wollen und sei sehr lieb zu Kindern gewesen, erzählte eine Kollegin. "Das war alles nur Schein. Am Ende hat er alles stehen und liegen gelassen und sich aus dem Staub gemacht."

Zudem hatte er die Bäckerei ohne erforderliche Zulassung betrieben. Das entsprechende Bußgeld habe er bislang nicht beglichen, hieß es beim Landkreis Celle.

Von Dagny Rößler