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Blaulicht Landgericht schickt Celler Fackelwerfer auf Entzug
Celle Blaulicht Landgericht schickt Celler Fackelwerfer auf Entzug
16:15 22.08.2017
Das Landgericht Lüneburg hat einen 38-Jährigen aus Celle wegen schwerer Brandstiftung verurteilt. Quelle: dpa (Symbolfoto)
Lüneburg

CELLE/LÜNEBURG. „Sie wollten Aufmerksamkeit und Mitgefühl erregen und griffen zu hochgefährlichen Mitteln“, leitete der Vorsitzende Richter Franz Kompisch die mündliche Urteilsbegründung ein und analysierte das Innenleben einer fragilen Beziehung. Im Herbst vorigen Jahres lernten sich der Angeklagte und sein Opfer kennen. Die ersten Wochen verliefen harmonisch zwischen dem Gelegenheitsarbeiter und der Krankenschwester. Kurz vor Weihnachten änderte sich das. Schließlich schmiss die Frau ihren Partner aus der Wohnung.

Der Angeklagte rutschte vollends in die Trinkerszene ab. Die Ereignisse des 31. Januar glichen laut dem Urteil einer puren Verzweiflung und fallen demnach nicht unter die in der Anklageschrift vermutete rechtliche Einordnung eines versuchten Heimtückemords. Vieles sprach zu Prozessauftakt für diese Einschätzung: Im Schutze der Dunkelheit entzündete der Angeklagte gegen 17.25 Uhr an der Welfenallee mitgeführtem Ottokraftstoff in einer PET-Flasche und warf die Lunte auf die Veranda Erdgeschoss, wo die Ex-Freundin mit zwei Kindern aus einer früheren Beziehung leben.

War der Fackelwerfer zum Zeitpunkt des Verbrechens überhaupt schuldfähig? Diese Frage beschäftigte die Verfahrensbeteiligten mehrere Tage lang. Kurz nach der Festnahme zeigte die genommene Blutprobe einen Wert von fast vier Promille an. Laut Kammer überblickte der Mann sein Handeln genau – trotz einer über Jahre dauernden Abhängigkeit, die zu einer schweren Schädigung der inneren Organe geführt hatte. Wenige Minuten vor der Attacke ließ sich der 38-Jährige mit einem Taxi zu einer Tankstelle chauffieren, kaufte Süßkram und ein Mineralwasser. Wenige Minuten später stand er an der Zapfsäule und füllte etwa einen Liter Treibstoff in die kurz zuvor geleerte Flasche.

„Sie haben einen Hang berauschende Mittel zu konsumieren, sind deswegen gefährlich und müssen in Therapie“, hielt Kompisch dem Verurteilten vor. Dieser bat danach ums Wort und richtete über die Dolmetscherin einen Dank an das Richtergremium: „Sie haben verstanden, dass ich behandelt werden muss.“ Der Schuldspruch ist noch nicht rechtskräftig, die Staatsanwältin sprach sich für einen viereinhalbjährigen Gefängnisaufenthalt aus.

Von Benjamin Reimers