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Blaulicht Mildes Urteil für Celler Brüder nach brutaler Attacke
Celle Blaulicht Mildes Urteil für Celler Brüder nach brutaler Attacke
16:43 28.12.2016
Celle Stadt

Über ein soziales Netzwerk verabredete sich das einschlägig vorbestrafte Tätertrio mit dem späteren Opfer und ließ ihn per Bahn aus Eschede anreisen. Das nachweihnachtliche Trinkgelage eskalierte in einer Parkanlage. Plötzlich attackierte jemand aus der Gruppe das 33-jährige Opfer mit Reizgas. Arbeitsteilig warfen die Mittäter den Geschädigten in seiner Orientierungslosigkeit um und traten in der Folge mehrere Male massiv auf Gesicht und Oberkörper ein. Kampfunfähig und durch Verletzungen gekennzeichnet lag der Kontrahent am Boden. Die Angeklagten gaben sich reumütig. „Wir wollten dem eine Lektion erteilen, da er eine Bekannte als Schlampe bezeichnete“, hieß es in einer durch die Verteidigung verlesenen Erklärung.

Bruchteile von Sekunden bewahrten die Beschuldigten vor langen Haftstrafen. Die Verurteilung wegen schweren Raubes und räuberischer Erpressung misslang, da offen blieb, wie Mobiltelefon und Portemonnaie im Gerangel verschwanden. Die Männer wehrten sich vehement dagegen, etwas gestohlen zu haben. Vor Gericht trat ein Zeuge auf, der wenige Stunden nach der Tat seine Schwester besuchte und im Wohnzimmer mit einer illustren Runde zusammentraf. Einer von den Gästen erzählte mit gewissem Stolz jemanden krankenhausreif geschlagen zu haben, wedelte mit dem Portemonnaie und der Bankkarte des Opfers herum. „Die haben jemanden überfallen, zusammengeschlagen und mit dem Messer bedroht. Mit dem Geld wollten sie eine Pizza bestellen. Das sagten sie", erklärte der Schüler vor Gericht.

"Wir konnten das so nicht feststellen. Wer die Geldbörse abverlangte, konnte der Geschädigte nicht sagen", fasste Richterin Precht zusammen.

Die Angeklagten schauten auf ein von Hoffnungslosigkeit geprägtes Leben zurück. Gerade der jüngste Beschuldigte zog vor etlichen Jahren mit der Familie aus der Südheide nach Celle. "Sein Name spricht für einiges und beschäftigte uns mächtig", erläuterte der Gutachter und ergänzte, dass sein Proband an gewalttätigen Demonstrationen in der Region Hannover teilgenommen habe. Dieser Zusatz überraschte die Verfahrensbeteiligten. Der 20-Jährige verließ die Förderschule ohne Abschluss. Mittlerweile lebt der junge Mann in gefestigten Strukturen, seine Lebensgefährtin brachte Anfang Dezember das gemeinsame Kind zur Welt. Damit er sich zukünftig von kriminellen Strukturen fernhält, ordnete das Landgericht 200 Sozialstunden an.

Besonders kritische Worte musste sich der 32-jährige Angeklagte anhören. "Wegen der hohen Rückfallgeschwindigkeit ist eine Bewährung ausgeschlossen", betonte die Richterin mit Blick darauf, dass der dreifache Familienvater 2015 vier Monate nach der Haftentlassung neue Straftaten beging.

Von Benjamin Reimers