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Blaulicht Mord an Frederike aus Hambühren: Bekannter Anwalt vertritt Tatverdächtigen
Celle Blaulicht Mord an Frederike aus Hambühren: Bekannter Anwalt vertritt Tatverdächtigen
10:50 02.05.2015
Von Simon Ziegler
Ihr Vater hofft darauf, dass der Mörder von Frederike endlich zur Rechenschaft gezogen wird. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Celle Stadt

Im Fall des ungesühnten Mordes an der damals 17-jährigen Frederike von Möhlmann aus Hambühren hat sich der Tatverdächtige einen prominenten Anwalt genommen. Nach einem Bericht der Neuen Presse hat der hannoversche Jurist Matthias Waldraff das Mandat von Ismet H. übernommen. Der Kurde war im Jahr 1981 dringend tatverdächtig, wurde aber rechtskräftig freigesprochen. Eine neue DNA-Spur belastet ihn schwer, ihm kann wegen des Freispruchs aus dem Jahr 1983 aber nicht erneut der Prozess gemacht werden.

Der Fall sei "juristisches Neuland", wird Waldraff in der Zeitung zitiert, deshalb habe er die Aufgabe übernommen. Er habe seinem Mandanten geraten, "erst einmal abzutauchen". Denn es seien Kamerateams vor dem Wohnhaus des heute 56-Jährigen aufgetaucht. Ismet H. soll noch in der Nähe von Celle leben.

Waldraff kündigte dem Bericht zufolge weiter an, dass zur eingereichten Zivilklage Stellung genommen werde. Ob der Beklagte die sogenannte "Einrede" stellen wird, blieb zunächst unklar. In dieser wird festgestellt, dass die Zivilklage verjährt ist, womit es zu keiner Verurteilung von H. mehr kommen könnte – es sei denn, er legt ein Geständnis ab.

Waldraff hatte bereits in der Vergangenheit Mandate in Fällen übernommen, die starke Aufmerksamkeit der Medien erregten. Dazu gehörte zum Beispiel der Fall der Krebsärztin Mechthild Bach oder des in der Türkei inhaftierten Marco Weiss aus Uelzen.

Unterdessen erinnern sich dieser Tage viele Menschen an Frederike. „Es war schrecklich, ich habe sie gekannt“, sagt Gerhard Heine. Der heute 87-Jährige war Anfang der 80er Jahre Lehrer am Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasium. „Die ganze Schulgemeinschaft hat das Ereignis außerordentlich berührt“, erinnert sich der Mathe- und Physik-Lehrer. Die Tat sei ein großer Schock gewesen.

Einer seiner Kollegen, der am KAV Englisch und Erdkunde unterrichtete, erinnert sich an eine Gedenkminute für Frederike. „Die ganze Schule hat getrauert“, sagt der pensionierte Lehrer. Eine weitere Kollegin berichtet, dass sie Frederike bis zum Sommer 1981 in Geschichte unterrichtete.

Frederike von Möhlmann war am 4. November 1981 bei Hambühren grausam ermordet worden. Sie hatte an einer Chorprobe der Stadtkantorei Celle teilgenommen und wollte anschließend per Anhalter nach Hause fahren. In der Bahnhofstraße traf sie wohl auf den Täter. „Der Mann fuhr zunächst auch in Richtung Oldau, dem Heimatort Frederikes, doch an der Ampelkreuzung in Hambühren I bog er in den Bruchweg ein“, schrieb die CZ am 10. November 1981. Der Täter hatte die 17-Jährige sexuell missbraucht, mit unzähligen Messerstichen traktiert und ihr die Kehle durchgeschnitten. „Der Mörder machte sich nicht mal die Mühe, sein bestialisch zugerichtetes Opfer mit Laub oder Zweigen zu bedecken“, hieß es im CZ-Artikel. Spaziergänger hatten die Leiche vier Tage nach der Tat gefunden.

Jetzt ist der Fall schlagartig zurück ins Zentrum der medialen Aufmerksamkeit gekommen. Der Vater des Mädchens versucht, mit einer Zivilklage den Täter vor Gericht zu bringen.

Auch in den sozialen Netzwerken haben viele Menschen die verzweifelten Versuche des Vaters verfolgt, den Täter seiner Tochter nach über 30 Jahren endlich zur Rechenschaft zu ziehen. „Ich kannte Frederike persönlich und hoffe sehr für ihren Vater, dass er doch noch, nach all den Jahren Gerechtigkeit erfahren darf“, schrieb eine Frau. „Kann mich noch genau an den Fall erinnern! Hoffentlich gibt‘s ein gerechtes Urteil. Alles Gute für die Familie“, kommentierte ein anderer Nutzer.