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Blaulicht Mordprozess: Berger verweigert Aussage
Celle Blaulicht Mordprozess: Berger verweigert Aussage
10:55 29.04.2016
Der 36-jährige Angeklagte sitzt im Landgericht Lüneburg neben einem Dolmetscher (rechts) und den Anwälten Christian Thüner (links) und Thorsten Hegers. Dem Mann wird vorgeworfen seine Ehefrau in Bergen mit Benzin übergossen und angezündet zu haben.
Bergen Stadt

LÜNEBURG. Was zunächst für die Ermittler nach einem Unfall aussah, war laut Staatsanwaltschaft Mord: Ein 36 Jahre alter Mann aus Bergen hat seine Ehefrau "grausam und aus niedrigen Beweggründen getötet", sie mit Benzin überschüttet und angezündet, "um sich einer anderen Frau zuwenden zu können". Die Tat hat er "in gefühlloser und unbarmherziger Gesinnung" begangen. Davon ist die Staatsanwaltschaft überzeugt, die dem Mann Mord und Brandstiftung vorwirft. Zum Prozessauftakt gestern vor der 4. Großen Strafkammer am Landgericht Lüneburg schwieg der fünffache Familienvater, laut seinen beiden Verteidigern wird er keine Angaben zur Sache machen. Die machte er allerdings noch am Tattag gegenüber einem Polizisten, der Beamte hielt die Darstellung des Gärtners allerdings für "unglaubwürdig. Ich dachte, das war eine spontan ausgedachte Geschichte."

Nach Darstellung der Staatsanwältin hatte der Angeklagte am 24. November 2015 gegen 10.40 Uhr im Wohnzimmer des Einfamilienhauses der Familie in Bergen die Frau mit "Ottokraftstoff aus einem Kanister" überschüttet, das Feuer entfacht und dann die Wohnung verlassen, dabei die Tür zugemacht. Nach einer gewissen Zeit erlosch das Feuer aufgrund des Sauerstoffmangels in dem Raum von selbst. Die 43-Jährige kam irgendwie in Richtung Hinterhof, wo sie ein Zeuge fand – bei vollem Bewusstsein. Dieser Zeuge sagte gestern, sie habe in kurdischer Sprache gesagt: "Ich brenne." Das Opfer kam mit einem Hubschrauber in die Medizinische Hochschule nach Hannover, wo es zwei Wochen später, am 7. Dezember, starb.

Ein Rechtsmediziner nannte gestern ein Multiorganversagen als Todesursache. 64 Prozent der Körperoberfläche seien verbrannt gewesen, der linke Arm habe sofort nach Einlieferung ins Krankenhaus amputiert, auch große Teile der Haut hätten entfernt werden müssen. Ihre Verletzungen müssen direkt nach dem Anzünden "massivst schmerzhaft" gewesen sein, nach Zerstörung der Nerven habe sie kein Schmerzempfinden mehr gehabt. Auf die Frage, ob es sich möglicherweise auch um einen Selbstmordversuch durch Selbstanzündung gehandelt habe könne, sagte der Gutachter, dass dies zwar nicht auszuschließen, jedoch "eher ungewöhnlich" sei.

Der angeklagte Ezide mit türkischer Staatsangehörigkeit selbst hatte leichte Brandverletzungen an den Händen, laut dem Mediziner waren einige seiner Haarspitzen und die Augenbrauen angesengt. Der 36-Jährige wurde noch am Nachmittag nach dem Feuer von einem Beamten in einer Klinik vernommen, dieser schilderte die Darstellung des Angeklagten so: Er habe mit seiner Frau Kaffee trinken und vorher noch den Kamin mit einer ihm nicht bekannten Flüssigkeit aus einem Kanister anzünden wollen. Zuvor sei er aber mit dem Kanister ins Wohnzimmer zu seiner Frau gegangen, habe ihn geöffnet und sich eine Zigarette angezündet, woraufhin es zu einer Verpuffung gekommen sei. Die Flammen hätten seine Frau getroffen, er sei sofort zu einem nahen Feuerwehrhaus gelaufen, habe dort aber niemanden angetroffen. Auf den Polizisten machte der Mann folgenden Eindruck: "Es schien nicht so, als sei er an der Aufklärung interessiert. Er war emotionslos, hatte keine Tränen."

Zum Zeitpunkt seiner ersten Vernehmung war die Polizei noch von einem Unglücksfall mit einer Verpuffung ausgegangen und davon, dass der Familienvater selbst Opfer sei. Doch spätestens am nächsten Tag, als er aus der Klinik verschwunden war, wurde er zum Hauptverdächtigen. Für den Prozess sind noch 13 Verhandlungstage vorgesehen, ein Urteil könnte am 23. Juni gesprochen werden.

Von Rainer Schubert