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Blaulicht Nach Anklage wegen Mordes: Bewährungsstrafe gegen Flüchtling
Celle Blaulicht Nach Anklage wegen Mordes: Bewährungsstrafe gegen Flüchtling
17:32 11.08.2017
Quelle: dpa (Symbolfoto)
Hermannsburg

HERMANNSBURG/LÜNEBURG. Ursprünglich sah sich der 37-Jährige dem Vorwurf des versuchten heimtückischen Mordes ausgesetzt. Nach Auswertung der Aussagen ließ die Kammer nach Beratung den Mordvorwurf aber fallen. Staatsanwältin und Verteidiger sprachen sich in den Plädoyers unisono für Bewährungsstrafen aus. Auch weil sich das Opfer in Widersprüche verwickelte.

Der Beschuldigte und das spätere Opfer lebten rund 16 Monate zusammen in einer ihnen zur Verfügung gestellten Wohnung in Hermannsburg. Beide kamen aus unterschiedlichen Landesteilen, was das Zusammenleben nicht einfach gestaltete. Anfang des Jahres änderte der 37-jährige Landwirt sein Verhalten, blieb manchmal über Tage verschwunden. Sein Mitbewohner machte sich Sorgen. So auch an jenem 18. Februar. Er versuchte ihn über 40 Mal telefonisch zu erreichen. Ein Anwahlversuch klappte.

Am Nachmittag tauchte der Mann in Hermannsburg auf, begab sich in das Zimmer seines Mitbewohners und schlug mittels eines Besenstiels auf die wehrlose Person ein. Bei der Attacke erlitt das Opfer eine stark blutende Kopfplatzwunde, der Stängel zerbrach in viele Einzelteile. Ein Gerangel und Gezerre entwickelte sich, welches Richter Franz Kompisch mit den Worten "mehraktiges Geschehen" betitelte. Der 37-Jährige verließ den Raum, machte Kehrt und fuchtelte während der Teezubereitung mit einem Messer herum. Ein anderer Mitbewohner stellte sich schließlich zwischen die Streithähne. Für den Verletzten ging es ins Krankenhaus. Ärzte diagnostizierten später eine tiefe Wunde am Kopf, Hautabschürfungen an Oberkörper, den Extremitäten und eine Schnittwunde am Daumen.

Vor der 4. Großen Strafkammer gab der Vater einer vierjährigen Tochter lediglich zu, mit dem Besenstiel zugeschlagen zu haben, den Einsatz einer Stichwaffe schloss er aus. Sein Bekannter habe durch viele Telefonanrufe genervt, in einem Gespräch fiel das Wort "Dorfjunge" – eine Kränkung. "Ich war stinksauer", gab er durch eine Dolmetscherin zu Protokoll. Die Befragung zog sich. Nach und nach kam heraus, dass der 37-Jährige neben der Frau in Afrika im Kreis Celle eine außereheliche Beziehung einging und sich der Freund in diese Liaison einmischte.

Von Benjamin Reimers