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Blaulicht Nach Urteil gegen Celle-Uelzen-Netz: Anwalt glaubt nicht an Einzelfall
Celle Blaulicht Nach Urteil gegen Celle-Uelzen-Netz: Anwalt glaubt nicht an Einzelfall
18:22 31.10.2016
Von Christopher Menge
Quelle: SVO Celle-Uelzen
Celle Stadt

„Ich habe mich etwas überrumpelt und ferngesteuert bezüglich der Kostenübernahme für den Wiederanschluss von Gas- und Wasserleitung gefühlt“, sagt Julia Müller (Name geändert). Anders als Kaiser, der sich weigerte, beauftragte Müller nach einem entsprechendem Hinweis der CUN den Installateur selbst und quittierte mit ihrer Unterschrift die Durchführung der Arbeiten. Ihre Frage, die auch den anderen Betroffenen auf der Seele brennt: Kann man die Kosten zurückfordern?

Ja, sagt Rechtsanwalt Matthias Sassenberg aus Hannover, der Kaiser vertreten hat. „Wenn jemand etwas zahlt, zu dem er nicht verpflichtet ist, kann er es zurückfordern“, sagt der Jurist. Das sei anders als beispielsweise bei den Nebenkosten, die Mieter bezahlen müssen. „Mit der Zahlung erkennt man die Abrechnung an“, sagt Sassenberg, „das gilt hier aber nicht. Die Zahlung ist unwissentlich geschehen.“

In dem Verfahren von Kaiser habe die CUN argumentiert, dass sie nur bis zur Grundstücksgrenze zuständig sei, der Wiederanschluss aber vom Hauseigentümer bezahlt werden müsse. „Das Gericht hat festgestellt, dass derjenige die Kosten tragen muss, der sie veranlasst hat“, sagt Sassenberg. Betroffenen sei daher zu raten, die Zahlung für den Wiederanschluss zu verweigern. Wenn der Winter vor der Tür steht, sollte man das Geld vorstrecken und versuchen, es sich wiederzuholen.

Wenn der Rechtsanwalt Recht hat und es sich tatsächlich um keinen Einzelfall handelt, spielt der CUN aber trotzdem eine Sache in die Karten: Die Kosten für einen Wiederanschluss liegen in der Regel zwischen 200 und 800 Euro. Nur wenige zetteln da einen Rechtsstreit an.

Auch Meineke hat gezahlt – allerdings nur die Hälfte der Kosten. Die CUN hatte ihm gesagt, dass er den Wiederanschluss zahlen müsse. „Als das von der CUN beauftragte Unternehmen anrückte, wurde uns mitgeteilt, dass der besprochene Trassenverlauf für die CUN zu aufwändig in der Herstellung sei und man einen anderen Übergabepunkt wähle“, berichtet Meineke, „die uns dadurch zusätzlich entstehenden Kosten für die Verlegung des Hausanschlusses im Haus müssten wir selbst tragen – letztlich handelte es sich um 380 Euro für zusätzliche Leitungen und einen Mauerdurchbruch im Haus.“ Umringt von vier Mitarbeitern der Baufirma und CUN, einem Kleinbagger auf dem Hof und dem ersten Loch im Gehweg habe er notgedrungen zugestimmt – in der Hoffnung, mit CUN eine Einigung erzielen zu können.

Aber erst als Meineke die Schlichtungsstelle einschaltete, stimmte die CUN einem Vergleich zu. „Nur die 50 Euro Bonus haben wir natürlich nicht erhalten – dazu besteht ja keine Verpflichtung“, sagt Meineke mit einem Augenzwinkern.