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Blaulicht Nachbarschaftsstreit in Wietze vor Gericht
Celle Blaulicht Nachbarschaftsstreit in Wietze vor Gericht
17:10 22.04.2016
Von Christopher Menge
Quelle: Michael Schäfer
Wietze

Vor etwa 20 Jahren hatte eine Baufirma das Haus samt Einfahrt gebaut, doch vor einigen Monaten stellte der Nachbar fest, dass die Einfahrt zu zwei Dritteln auf seinem Grundstück liegt und zudem ein Teil des Daches der Klägerin etwa fünf bis zehn Zentimeter in den Luftraum seines Grundstückes hereinragt. Der Beklagte bot daraufhin an, das Haus, das etwa 130.000 Euro wert ist, für 40.000 Euro zu kaufen. Er soll gesagt haben, dass er ansonsten dafür sorge, dass es abgerissen werde, da es nicht dem Baurecht entspreche. Später erhöhte er sein Angebot auf 80.000 Euro – nach Aussagen seines Verteidigers ein "aufgrund der baurechtswidrigen Zustände ein völlig angemessenes Angebot".

Der Landkreis rügte Anfang 2015 die baurechtswidrigen Zustände und forderte unter anderem, dass die Hauseingangstür, die zwei zur Zufahrt liegenden Fenster der beiden Kinderzimmer und der Gästetoilette zugemauert werde, da der Grenzabstand nur noch 50 Zentimeter beträgt. Zudem soll die Pflasterung der Zufahrt entfernt werden. Die Kosten für den Umbau würden bei etwa 20.000 Euro liegen. Viel schlimmer ist aber: "Das Haus wäre damit unverkäuflich", sagt die Klägerin, die das Haus selbst nicht mehr bewohnt.

Da das Haus noch mit 110.000 Euro belastet ist und ihre Einkünfte unter der Pfändungsgrenze liegen, würde das zu einer Privatinsolvenz führen. Bei einer Zwangsversteigerung könnte der Nachbar das Grundstück möglicherweise sehr günstig erwerben. Der Beklagte könnte sich dann selbst ein Wegerecht einräumen und hätte ein Profit von etwa 100.000 Euro gemacht.

Für den ehemaligen Richter am Oberlandesgericht Celle, Jörg Würfel, der die Klägerin berät, ein Unding. "So eine Unanständigkeit, die so skrupellos verfolgt wird, habe ich noch nie erlebt." Ob das Gericht das auch so sieht und der Klägerin Recht gibt, entscheidet sich am Montag.