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Blaulicht Notfallserie: Celler müssen auch bei kleineren Unfällen warten
Celle Blaulicht Notfallserie: Celler müssen auch bei kleineren Unfällen warten
19:10 24.02.2015
Ist das Warndreieck 100 Meter vor dem Unfallwagen aufgestellt, kann der Notruf abgesetzt werden. Eine Warnweste dient dem Eigenschutz. Auch der Verbandskasten ist Pflicht.  Quelle: Daniel Delang/DRK
Celle Stadt

Der klassische Autounfall passiert häufig auf dem Weg zur Disco oder zurück nach Hause. Das Auto ist voll besetzt, die Musik ist laut, die Stimmung ist ausgelassen und der Fahrer sammelt seine ersten Erfahrungen auf den Straßen. „Da sind Unfälle vorprogrammiert“, sagt Verkehrssicherheitsberater Joachim Ehlers. Überhöhte Geschwindigkeit führt immer noch zu den meisten Unfällen mit Todesfolge oder Schwerverletzten im Landkreis Celle. Aber auch das Tippen von SMS oder Alkoholkonsum stehen oben in der in Ursachenstatistik. „Wer bei Tempo 100 SMS tippt, fährt ungefähr 100 Meter im Blindflug“, beschreibt der Polizeibeamte.

Hat es gekracht, heißt es Ruhe bewahren. „Zuerst bringe ich mich und die Unfallstelle in Sicherheit, damit nicht noch mehr Unfälle passieren“, sagt Ehlers. Dazu schalte man das Warnblinklicht an und streife eine Warnweste über, die seit 1. Juli Pflicht ist. Das Warndreieck trage man gerade im Dunkeln am besten vor sich her und stelle es 100 Meter vor der Unfallstelle auf. Bei Kurven und Bergkuppen sollte man das Warndreieck noch davor aufstellen.

Dann setze man den Notruf ab und schaue mit dem Verbandskasten nach Verletzten. Möglicherweise müssen dazu Personen aus einem Auto befreit werden. Wie das geht, steht auf der Internetseite des Deutschen Roten Kreuzes. Dabei wird zuerst der Gurt gelöst, eventuell durchschnitten. Der Bewusstlose ist an der fernen Hüfte fassen und auf die Sitzkante zu ziehen. Dann wird der Betroffene an der fernen Hüfte und am nahen Knie gefasst und dann mit dem Rücken zur Tür gedreht. Unfallopfer sind im Rettungsgriff zu fassen und vorsichtig aus dem Fahrzeug zu ziehen. Sie sollten an einen sicheren Ort gebracht und dort zugedeckt, betreut und beobachtet werden.

Das Gleiche gilt für Unbeteiligte. „Wer an Unfallstellen einfach vorbeifährt, begeht eine Straftat, nämlich unterlassene Hilfeleistung“, sagt Ehlers. Und das trifft auf der Landstraße genauso zu wie in der Stadt oder auf der Autobahn. Auch bei geringfügigen Schäden sollen Zeugen an die Seite fahren und sich vergewissern, was passiert ist. Man solle nicht den Helden spielen, aber „jeder sollte nach seinen Fähigkeiten helfen“, so Ehlers. Manchmal reiche es schon, eine geschockte Person mit Worten zu beruhigen und mit einer Decke zu versorgen.

Bei kleineren Unfällen muss nicht unbedingt die Polizei benachrichtigt werden. Da können die Auto- oder Fahrradfahrer sich untereinander einigen. Ist der geschädigte Autobesitzer nicht vor Ort, muss der Verursacher seiner Wartepflicht nachkommen, bis der Betroffene eintrifft. Selbst bei kleineren Beulen und Kratzern, die etwa beim Ein- oder Ausparken entstanden sein könnten, muss gewartet werden – auch bei schlechtem Wetter. Ein Zettel oder die Visitenkarte mit den Kontaktdaten und dem Schadenshinweis reiche nicht aus, betont Ehlers. Wer sich vor Ablauf der Wartefrist vom Unfallort entfernt, muss die Feststellungen bei der nächsten Polizeidienststelle unverzüglich nachholen. Es sei aber zu beachten, dass die Alternative zu wählen ist, die am schnellsten zur Benachrichtigung des Geschädigten führt. Prinzipiell empfiehlt Ehlers, auf engen und vollen Parkplätzen einen Kontrollgang um das Auto herum zu machen, um sofort Schäden feststellen und zur Anzeige bringen zu können.

Von Dagny Rößler