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Blaulicht Projekt Brückenbau in Celle: Für eine zweite Chance
Celle Blaulicht Projekt Brückenbau in Celle: Für eine zweite Chance
12:33 09.09.2016
Das Podium vlnr Thomas Papies, Dirk-Ulrich Mende, Karsten Willemer, Henning Buchhagen, Mona Gremmel, Nina Hollung Quelle: Jonas Peisker
Celle Stadt

Personen mit weißen Masken mischen sich unter die Menschen und verteilen sich in der Menge. „Wer sind Sie? Was machen Sie hier? Sie stören!“, ruft Otfried Junk vom „Projekt Brückenbau“. Einer nach dem anderen nehmen die Verkleideten ihre Masken ab und erzählen von ihren Erfahrungen. „Ich bin Hartmut und ich suche eine Arbeit, habe aber Schwierigkeiten eine zu finden“, heißt es da etwa. Der Beginn des Brückenbaufestes vermittelt eindrucksvoll, was es bedeutet unsichtbar und zurückgewiesen in der Gesellschaft zu sein. Doch was heißt es willkommen zu sein?

„Miteinander zu leben, muss man nach langer Haft erst wieder lernen“, weiß Thomas Papies, Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Celle. Diesen Prozess unterstützt das der christlichen Straffälligenhilfe „Schwarzes Kreuz“ nahestehende „Projekt Brückenbau“. Karsten Willemer, Pastor der Paulusgemeinde, sagt: „Mein Glaube lebt von der Überzeugung, dass Gott uns allen eine neue Chance gibt. Für diese zweite Chance setzt sich das Projekt Brückenbau ein. Ein solches Engagement trägt außerdem zu einer sichereren Gesellschaft bei, denn durch eine gute Resozialisierung kommt es zu weniger Rückfällen in die Kriminalität.“

Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) betonte die entscheidende Rolle einer guten Vernetzung in der Gesellschaft. Aufgabe der Politik sei es, den Einsatz für eine Willkommenskultur – sei es gegenüber Straffälligen oder Flüchtlingen – zu kanalisieren und zu unterstützen. Nur so könne auch den erstarkenden intoleranten Strömungen in der Politik entgegengetreten werden. In Celle ist das Kreativcafé, dessen Leitung nun Mona Gremmel vom „Projekt Brückenbau“ übernommen hat, ein Ort, an dem Haftentlassene lebenspraktische Dinge lernen können, etwa Bewerbungen zu schreiben. Menschen haben nach den langjährigen Haftstrafen in der JVA Celle haben oft den Anschluss verloren zu heute selbstverständlichen Dingen, wie Smartphones oder dem Internet. „Im Kreativcafé machen wir keinen Unterschied zwischen Menschen, ob straffällig oder nicht“, sagt Gremmel.

Doch gleichzeitig muss der Wille sich zu integrieren, von der Gesellschaft willkommen geheißen werden. „Entlassene brauchen offene Gesichter und einen Vertrauensvorschuss, um eine optimistische Sicht auf die Dinge zu bekommen, die sie von sich aus nicht haben können. Gerade am Anfang gilt es ihr Selbstvertrauen zu stärken“, meint Henning Buchhagen, ehemaliger Gefängnisseelsorger. Auf den Ton im Umgang komme es an, selbst Absagen für Wohnungen oder Jobs könne man respektvoll begründen. Es geht eben darum, den Menschen hinter der Maske zu sehen. Thomas Papies meint: „Mit einem Entlassenen könnte ich selbstverständlich ein Eis essen.“

Von Jonas Peisker